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 Akt I. Status Quo

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Kurz-Vita
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BeitragThema: Akt I. Status Quo   Di 30 Mai 2017, 18:35

>>> Interlos <<<
Meine Welt ist ein Palast aus Smaragden und Sonnenblumen als Zaun. Und das tun sie gut, sonnen und smaragden, meine ich. Ich kenne nichts anderes. Die Mauern sind scharfkantig, wenn ich sie berühre, sie wollen nicht berührt werden von mir. Der Zaun richtet seine Sonnen auf mich, wenn ich mich ihnen nähere. Sie strahlen mich an, tagsüber und nachts, dazwischen darf hingehen wo ich will. Es ist mein Nest, denn es ist von außen verkleidet mit Fell und im Inneren ist ebenso pelzig. Es ist weich, das ist eine Weile lang schön, bis ich dessen überdrüssig bin. Meine Welt ist riesig und doch fühle ich mich zu groß für sie. Mein Himmel ist ein Spinnennetz, kaum sichtbar vor der Schwärze und die Perlen funkeln auf ihm, sie spenden mir oft Trost. Ich kann die Perlen trinken, wenn ich will. Sie füllen sich und schwellen an, fallen aber niemals herab. Ich muss mich recken um sie anzufassen und kann mir ihren klebrigen Saft von den Fingern lecken. Innerhalb meiner Welt kann ich mich frei bewegen, vom pelzigen Raum bis zu den Sonnenblumen und der Smaragdmauer. Ich bin hier und seit ich denken kann, werde ich missbraucht. Das weiss ich, denn es fühlt sich nicht richtig an, was mit mir passiert.
»bbb«

8.097Wörter


Zuletzt von Admin am Di 30 Mai 2017, 18:45 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Schlamassel   Di 30 Mai 2017, 18:43

>>> Schlamassel<<<
»Oh ups«, machte das Vögelchen mit den großen Ohren.
Es waren natürlich keine echten Ohren, keine Ohrmuscheln in die man hätte Ohrringe stechen können. Wobei das der Sylphe sicher gut gestanden hätte. Chuwawa saß auf der Schulter eines Mannes der halb verdeckt im Schatten stand. Den Schatten warf das Nomensegel auf ihn, welches befestigt war am Wortstamm-Mast. Die kleineren Fetzen hingen lose in der Adjektivflaute.
Chuwawa gehörte der seltenen Spezies der Buchstabenfresser an. Sie ernährten sich von einzelnen Buchstaben, gelegentlich Ziffern. Brauchten nicht viel, gerade einmal ein Wort am Tag, wenn es hoch kam. Kam es niedrig, konnten sie an einer verschnörkelten Versalie auch schon mal über einen längeren Zeitraum knabbern.
An den Schwanzfedern des Vogels hingen lange ausladende Schmuckwerke. Um seine Krallen waren winzige Ringe gelegt, sein Brustgefieder war makellos rein und weiß. Auf seinem Kopf trug es eine Art Helmchen, doch nicht wie eine Falkenhaube, mehr wie ein filigranes Krönchen. Was der ganzen Tatsache aber keinen Abbruch tat, dass es eher wirkte wie ein ordinärer Papagei. Und wahrscheinlich ebenso viel Blödsinn aufschnappte und wieder ausspie wie ein solcher.
Ohren, ja Ohren hatte Chuwawa keine. Aber hören konnte es, als hätte es welche.

»So ein Schlamassel! Oh nein, oh nein, so ein Schlamassel!«
Sein Lieblingswort blieb in dieser Litanei jedoch das: »UPS!« und ebendieses schrie es nun lauthals in das Ohr des Kerls, auf dessen Schulter es hockte. Einmal, zweimal und erneut.
Die Hand kam schnell und wischte sich über die Schulter. Das lästige Tier hatte er abstreifen wollen, doch blitzschnell wechselte Chuwawa auf die Hand und hielt sich dort fest. Auch noch, als die Hand einen Bogen beschrieb. Auch, als die Hand nach oben führte und nach unten und oben und unten schüttelte. Chuwawa krächzte im vollen Brustton der Überzeugung: »Schlamassel! Ups ups ups!«
Ash’ur gab sich geschlagen, gegen dieses Biest konnte er nichts ausrichten. Er ließ seinen Arm seitlich herab fallen, den Vogel mit in die Tiefe stürzen.
»Ups«, kommentierte Chu.

Der Mann drehte sich um, inspizierte sein kleines Flugschiff und seufzte tief. Irgendwie hatte das Federvieh ja Recht. Sie hingen hier fest. Wrack geschossen, liegen geblieben, ohne Aussicht auf Rettung, irgendwo zwischen den unumgeblätterten Seiten eines Debüts und dem Nichts der Stille. Zu weit entfernt von der Realität, noch nicht ganz angekommen im Buch. Jemand anderes war schneller gewesen. Jemand anderes hatte zwar auch einen Namen - verdammt und einen hinreißenden Hintern - aber ’jemand’ reichte vollkommen um das Subjekt zu beschreiben. Erst hatte sie ihm den Weg versperrt, dann auf ihn geschossen - leider nicht nur mit ihrem losen Mundwerk - und ihn schließlich auf einen Spannungsknoten auflaufen lassen, der hier so herum gewirbelt war.

Ash’ur, der Kapitän der NINIVE auf dessen Flagge Ur prangte, war nicht irgendein dahergelaufener Rezensent. Oh nein, er schmückte sich nicht nur mit dem Namen des Herrschers aus längst vergessenen Zeiten, er war dieser Mann. Ein Mann dessen Lebensuhr schon längst abgelaufen sein müsste. Er konnte sich noch daran erinnern, wie er den Befehl einstmals gegeben hatte die erste umfängliche Bibliothek zu errichten. Dagegen war ’Hinreißender Hintern’ ein kleines Küken. Nein, er war der älteste, der grausamste und der gerissenste Peiran unter den Büchertestern. Wer seinen Namen hörte, seine Flagge sah, der erzitterte. Wie es sich gehörte für einen notorischen Piraten. Und nichts anderes waren sie hier.

Und doch erinnerte er sich ebenso daran, wie sein Name einst gewesen war, ehe er zur Vereinfachung eingestrichen worden war. Wie das Schriftbild in den Zeiten weit vor dieser Erfindung der Buchreisen gewesen war. Sein Name in den Archiven, auf Steinplatten, ins Griechische übersetzt. All die Mythen um ihn, all die üble Nachrede, die Verleumdung. Und doch kam all dies nicht von ungefähr. War sein Tod wirklich jene groteske Szenerie der Opferung. Es war nie um Schamasch gegangen, seinen Bruder, aber Eugène hatte ihn auch hunderte Jahre später einfach nicht verstehen wollen. Ja, er hatte all seinen weltlichen Besitz dem Feuer als Opfer dargebracht. All sein Gold und Geschmeide, die Juwelen. Er war kein einfacher Bauerssohn gewesen, konnte nicht verschwinden, musste einen Auftritt inszenieren um abzutreten. Sein wahrscheinlich treuester Verbündeter in dieser Zeit war sein Bruder gewesen, eben jenem zu dem man ihm einen Krieg nachsagte. Unsinn, Schamasch hatte vielleicht nicht freiwillig mitmachen wollen bei dieser Aufführung, aber er war dennoch wichtiger Bestandteil gewesen, immerhin hatte Ash’ur Zeugen gebraucht, die das weiter gaben, was er wollte, das sie sahen! Und sie hatten gesehen, hatten die Flammen gesehen, die Schreie gehört. Es ging nicht ohne Opfer. Ja, er hatte seine Konkubinen, seine Sklaven, seinen Mundschenk geopfert - wie es sich gehörte, seine besten Pferde, Hunde, Vögel mit sich gerissen ins Verderben - bei Ur und Inanna - man erwartete dies bei einem Begräbnis eines Königs wie er es gewesen war. Es wäre nicht echt gewesen, hätte ausgerechnet er es nicht getan. Aber es war eine feige Lüge, dass er es mit Gleichmut hingenommen hatte. Sicher, er hatte dabei zugesehen, wie sie sich alle das Leben nahmen, aber sie taten es für ihn, in festen Glauben an ihn. Und nur auf diese Weise konnte er gehen.

Damals war es der Ruf gewesen, der duch seinen Geist gehallt war, wie eine düstere Verlockung. Er war nicht der König geworden, der er hätte werden sollen. Dafür waren zu viele Stimmen in seinem Kopf - vielleicht wäre es gnädiger gewesen, er wäre Priester geworden. Eine Berufung, die ihn heute wahnsinnig auflachen ließ. Was für ein Irrglaube. Noch heute rief er Ur an, er war der älteste Gott den er kannte und auf irgendetwas oder jemanden musste man von Zeit zu Zeit schimpfen.
Da waren die Zeichen gewesen, die er nicht zu lesen vermochte, ein Alphabet, welches er nicht erkennen konnte, mit nichts auf der Welt der Menschen zu vergleichen, er konnte nicht anders, er musste daran glauben, es sei göttlichen Ursprungs. Musste dem Ruf folgen, musste lesen, sich bilden, musste erfahren, lernen. Und das war etwas was er gut gekonnt hatte. Hatte er die Bibliothek errichten lassen, weil er seinem Volk etwas Gutes tun wollte? Weil er mit diesem Bau in die Geschichte einziehen wollte? Nein, weil er mehr brauchte, unersättlichen Hunger nach Wissen stillen, den er nirgends in der frühmenschlichen Geschichte geballt auf einem Haufen finden konnte. Und was es noch nicht gab, das ließ er errichten. Aus heutiger Sicht erschien ihm dies nun als einfaches Unterfangen. Holte sich die Schriften zu sich, anstatt ihnen hinterher zu jagen, sammelte sie, archivierte sie, studierte sie. Um für den Tag gerüstet zu sein, an dem die seltsame Schrift ihm erneut erscheinen würde, der Ruf ihn erneut packen würde. Und die Stimmen ihm befahlen loszulassen, zu ihnen zu kommen. In der törichten Annahme, er sei ein auserwählter, ja begnadeter König, so inszenierte er jenes lodernde Begräbnis.

Doch was er dafür erhalten hatte, spottete jeder Beschreibung, es war nicht das gewesen, was er sich erhofft hatte. Keine Götter, keine unerschöpfliche Quelle des Wissens. Keine Antworten auf all die Fragen. Langsam zogen die Stimmen ihn hinab, rissen ihn mit in den Strudel. Erlegten ihm diesen Fluch auf. Oh, sie hatten ihn gut geködert, doch er durchschaute sie schnell, sie hatten nach einem Menschen mit rascher Auffassungsgabe gesucht, sie hatten ihn dazu verleitet jene Aspekte seines Geistes zu öffnen, zu schulen und sie hatten bekommen wonach es sie verlangt hatte. Und er hatte ihren kreatürlichen abnormen Geist durchschaut, wie sie ihn benutzen wollten. Und er hatte sich widersetzt.
Das blieb nicht ohne Folgen. Den Weg einmal eingeschlagen, das Geschenk, die Salbung erhalten, auserkoren und aus dem Leben gerissen, auf einer Ebene existent in der Naturgesetze nicht galten, dort konnte er nicht mehr entkommen, sich nicht lösen, nicht sterblich werden und nicht weiter aufsteigen. Doch er konnte eines werden: Ein Renegat. Eine herrliche Zeit, in dieser noch jungen Disziplin der Wissensreisen. Er, der ausgesucht worden war, um zu dienen, erhob sich um die Herren so lang anhaltend zu piesacken, bis sie seiner überdrüssig wurden, ihn vernichteten oder aufgaben. Doch sie wählten von all jenen möglichen Enden, die Ash’ur sich errechnet hatte, jenes welches er nicht vorhersehen konnte. Jeder Mensch hat seinen Preis; und Ash’ur war billig zu haben auf profane Weise. Man musste ihm nur das nehmen, was ihm das Liebste war und das war nicht sein eigenes Leben. Und das war auch nicht sein Zugang zum Wissen, sein Geist. Es war etwas weltliches, etwas greifbares, etwas emotionales. Es war jemand. Es ist noch immer Jemand.

Er würde ewig für sie arbeiten, ihre Wünsche erfüllen, ihre Befehle mit grausamer Hand ausführen, wenn es ihnen beliebte. Solange sie das Kostbarste gefangen hielten was er kannte, war er nur so frei, so weit er spucken konnte. Der versklavte König, im Schlamassel.

Leck geschlagen war sein Schiff nicht, nur vorübergehend außer Gefecht gesetzt. ’Hinreißender Hintern’ hätte ihm nichts Schlimmeres antun können, als ihn sozusagen nackt auszuziehen, sich an ihm zu bedienen und dann liegen zu lassen, wie ausgesetzt in einer Wüste. Er biss die Zähne fest aufeinander, rieb sie knirschend übereinander. Dann bellte er scharfe Befehle. Chuwawa kletterte unterdessen an seinem bloßen Arm hinauf. Die Krallen der Sylphe stachen ihm in die Haut, er kompensierte den leichten Schmerz indem er nur noch lauter brüllte.
»Wer ist für den Ausguck verantwortlich?« Und hatte demnach den mäandernden Strudel nicht kommen sehen und Meldung gemacht?
Seine Crew bestand aus einer schlagkräftigen Truppe, doch schon seit Monaten nicht mehr aus den allerbesten. Budgetkürzungen von ganz Oben hatten ihn dazu gezwungen Ersatz zu finden, der nicht so hohe Ansprüche hatte, keine Gefahrenzulagen forderte.
Da war sein Offizier, eine alte dicke Matrone die es mit seinem Gebrüll locker aufnehmen konnte und die er, seit sie an Bord war, nie hatte von eben jenem gehen sehen. Sie gehörte mittlerweile zum Inventar und hielt seine Mannschaft mit eiserner Hand und einem verdammten Kochlöffel in der Spur. Überhaupt hatte hier gefälligst jeder seinen Dienst in dreifacher Arbeit zu verrichten. Musste darin fit sein mit dem Schiff zu fahren, musste einen nützlichen Zweitberuf mitbringen, traditionell im Zimmermannshandwerk, dem Nähen oder Navigieren. Schließlich die dritte und darüber hinaus lebenswichtigste Aufgabe, die er in den unendlichen Bewerbungsgesprächen aufspüren musste. Die Fähigkeit über das Corvus in das Buch zu gelangen. Eine angeborene Fähigkeit, während das Gedankenschiff nicht hindurch konnte, so mussten seine Leute dies sehr wohl können. Mussten mutig sein, loyal, tapfer und stark. Und über ein gewisses Maß an Intelligenz verfügen. Nicht leicht all diese Komponenten zu finden. Es hatte Zeiten gegeben, in denen diese Leute, angezogen von der Aussicht auf dicke Belohnungen, Ruhm und dem edelen Gedanken etwas zu bewirken, ihm nur so zugeflogen waren. Kamen freiwillig, boten sich an, blieben bis sie starben oder die Schnauze voll hatten.
Er hob den Blick, wer auch immer im Ausguck verantwortlich war, musste einer der neuen Rekruten gewesen sein. Und er wäre die längste Zeit Mitglied seiner Crew gewesen. Welpenschutz konnte sich Ash’ur, konnte sich die NINIVE nicht leisten.

Es dauerte bis sie den Mann herunter geholt hatten. Ash’ur blickte ihn an, grimmig und voller Hohn, von oben herab, das konnte er gut mittlerweile, er war lange genug dabei. Das duckmäuserische Frettchen vor ihm auf den Dielen japste und stammelte Erklärungen, die er sich nicht mal mit halben Ohr anhörte.
Statt ihm erteilte Chuwawa die Befehle: »Hinrichten! Auspeitschen! Die Ohren lang ziehen! Schlitzohr! Nicht zwangsläufig in der Reihenfolge!«
Ash’ur nickte und schüttelte dann den Kopf, als hätte er es sich anders überlegt. Alles angemessene Strafen seiner Meinung nach. Wer ihm diente, der musste damit rechnen, hart bestraft zu werden. Das war keine Bagatelle, die Unachtsamkeit dieses Mannes hätte sie alle zur ewigen Verdammnis in diesem Nether verurteilen können. Bloß gut, dass er noch den ein oder anderen Trumpf tief im Rumpf verwahrte. Wie den unzulässigen Außenbordantrieb. Den sie jetzt bitter benötigen würden, nachdem ihnen das Gestänge aus der Takelage auf die Köpfe gekracht war. Es hatte einen der Kanoniere fast das Leben gekostet.
Gnadenlos, ohne auf die Beteuerungen einzugehen erteilte er den Verfahrensbefehl, dies war sein Reich, sein Hoheitsgebiet, selbst die Geschäftsfrau hatte hier nichts zu sagen. »Sperrt ihn ein, sobald wird am Portal sind, wird er ausgesetzt.« Das klang freundlicher als es war.
Mit nichts als dem was man am Leib trug in einem Buch zurückgelassen zu werden kam einem Todesurteil gleich. Ganz und gar der Gnade ausgeliefert, ob sich jemals ein Leser dorthin verirren würde, sich seiner erbarmen würde, ihn mitnehmen würde zurück in die echte Welt. Gefangen zwischen den Zeilen, im schlimmsten Fall in der indirekten Rede oder im Sarkasmus - kein Entkommen, wenn der Leser einen nicht mal sehen konnte. Ash’ur sah das nicht weiter eng, er selbst hatte einmal festgehangen, sein Vergleich mit dem nackten Mann in der Wüste kam nicht von ungefähr.

Es bestand eine realisistische Chance zu entkommen. Auch wenn man dafür eben immer einen Preis zahlen musste. Den man nicht entrichten konnte, solange man blank war. Er hatte es schlicht pragmatisch gelöst und war sich nicht zu schade gewesen seinen Körper zu versprechen. Den echten, nicht das imaginäre Abbild hier in dieser unmöglichen hypothetischen Annahme. Sie hatte bekommen was sie von ihm wollte, er war aus der Schmonzette herausgekommen, welche sie als Sonderangebot erhalten hatte. Die sie nicht hatte fesseln können, es war großes Glück gewesen, dass sie dennoch bis zu diesem Punkt vorgeblättert hatte und sich doch ein wenig hier und da in ihr geregt hatte an Lust und Vorstellung. Ein paar Ideen und Eindrücke die sie hatte mit ins Bett nehmen wollen. Gut, sie hatte dann ihn mit ins Bett genommen, aber er war nach seiner Dankbarkeit schneller fort gewesen, als sie eingeschlafen gewesen war. Er hatte sie zum Glück nie wieder gesehen.
Also konnte auch dieser arme Tropf, den seine Leute unter Deck brachten, hoffen. Ash’urs Hoffnung hing nun auf dem flott kriegen seiner NINIVE. Er hob die Hand und schnippte in die Richtung der Männer die noch Maulaffenfeil hielten. »Bringt mir den Antrieb, wendet mein verfluchtes Schiff und richtet es auf das Portal aus. Wir holen uns dieses Miststück und nehmen ihr die verdammte Beute ab.«
Jubel brach aus. Chuwawa schrie aus vollem Hals: »Entern! Entern!« Dann fand er Gefallen an dem Wort: »Ente! Ente! Ente! Ente!« Ash’ur packte zu, diesmal griff er das Federvieh und drückte ihm Ober- und Unterschnabel fest aufeinander. Er drehte seinen Kopf ein wenig und blitzte ihn an: »Halt den Rand oder ich lasse dich ebenfalls zurück!« Chuwawas Augen glänzten, er gluckste nur um sein Verstehen zuzugeben. Dann hielt er endlich für ein paar Minuten den Schnabel. Nicht lange genug um seine Nerven zu schonen. Aber so lange wie er den Vogel schon bei sich duldete, dieser ihn als sein Herrchen Schrägstrich Opfer ausgesucht hatte, hatte er sich mittlerweile daran gewöhnt, ständig das Getratsche im Ohr zu haben. Ein Äffchen wäre sicher leichter gewesen, oder noch besser einen Bordkater. Jedes vernünftige Schiff sollte eine Katze in der Bilge haben, die die Leseratten austrieb.


Zuletzt von Admin am Di 30 Mai 2017, 18:58 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Schuhe sind das A bis S   Di 30 Mai 2017, 18:43

>>> Schuhe sind das A bis S<<<
Das erste Epos der Menschheit. Die Geschichte, die Tiefe, die Freundschaft von Gilgamesch und Enkidu, der Reise zur Unsterblichkeit und dem ersten schriftlichen Scheitern. Ash’ur hatte sich schon immer an das gehalten was ihm lag. Oh, er kannte mehr, Geschichten die längst vergessen waren, begraben unter dem Wüstensand - nein die selbst schon zu Sand geworden waren. Es gab Lieder so alt wie die Menschheit selbst. Über Götter, Wesen, Monster, Mythen und ja immer Gefühle. Keine Geschichte ohne ein Gefühl.
Was ihn jetzt gerade antrieb war der Hass. Wenn auch eine milde Form, mehr als Rivalität unter den Peiries. Niemand vergriff sich an IHM. Das konnten diese kleinen Läuse untereinander tun, sich bekriegen, sich jagen und die Beute abnehmen, aber ihn stach man nicht aus. Er konnte nicht einfach als Alteisen abgelegt werden. Konnte nicht mit leeren Händen zurückkehren. Jedes Versagen wurde übertragen auf jenen Menschen der ihm am meisten bedeutete. Ash’ur konnte es sich nicht leisten aufzugeben, musste immer zwei Schritte - ach was Schiffslängen - voraus sein. Doch all die anderen hier draußen, die sahen es als Wettbewerb, erkannten den Ernst der Lage nicht, spielten mit dem Feuer und der Gefahr.

Verdammt, ja es war gefährlich, auch ohne, dass sie sich gegenseitig bekriegten. Aus jedem Portal kehrten weniger zurück, als hinein gegangen waren. Das war eine unabänderliche Konstante. Manchmal konnte man nicht wissen, wieviel das Buch kosten würden. Man hatte schon von Peiries gehört, von denen nur ein einziger Mensch zurückgekehrt war um die Warnung auszusprechen. Auf dem Schwarzmarkt waren diese indizierten Geschichten bares Gold wert. Es gab sie immer, jene die mit der Gefahr liebäugeln wollten.
Vorbei die Zeiten, in denen Ash’ur einen Triere gesteuert hatte, in denen seine Mannschaft aus verschwenderischen Hunderten bestanden hatte, die er opferte auf dem Altar der Ruderbänke und des Portals. Heute nutzte er modernste Technik und unausgereifte Ideen, gepaart mit allem was er in den Büchern fand und sich illegal aneignen konnte. Und die Geschichten wurden mit der Zeit immer geistreicher und steckten voller Erfindungen. Gefahren und Erfindungen. Er mochte das klassische Aussehen seines Segelschiffes, wer hätte das je geglaubt, ein assyrischer König auf einer schicken Fregatte. Irgendwann wüde er auch das wieder ändern, würde mit dem Fortschritt gehen müssen, sich anpassen müssen. Jeder dieser Glücksritter klaute sich sein eigenes Gefährt. Manche Rezensenten legten Solonummern hin.
In ihren kleinen Schaluppen schipperten sie umher und hatten immer das Nachsehen. Die großen Werke konnte man nur mit großen Schiffen erreichen. Ash’ur kannte sie alle. Die Eintagsfliegen, die Abgraser, die Stippvisiter und jene die ihre Berufung verflucht ernst nahmen, zu ernst manchmal.
Doch die meisten von ihnen waren wie er, kamen aus verschiedenen Motiven, Lust an der Gefahr, zu viel Tollkühnheit, sie wagten und spielten und gewannen oder verloren. Nicht nur für den Kick. Es gab ganze Gruppierungen unter ihnen, die ihr täglich Brot erwarben. Es war gar nicht so schwer und so bedrohlich wie er es immer darstellte. Das lag nur daran, weil Ash’ur ausschließlich die gefährlichsten Aufträge annahm. Sich nicht mit dem Kleckerkram begnügte. Das konnten die Kleinen tun. Und doch gab es Konkurrenz, auch hier oben. Während sie sich am unteren Ende der Nahrungskette bekriegten und ihre Einschätzungen vornahmen, die Bücher freigaben für die Menschheit, siegten sie hier oben im Kampf ums Überleben an sich.
Oh ja, es gab gefährliche Werke.

Chuwawa verzog den Schnabel: »Holen wir uns das Miststück!«
Der König nickte grimmig als der Außenbootmotor gestartet wurde. Damit musste man bei ihm einfach rechnen, er ließ sich nicht an einen Strudel heften und sah dabei zu, wie die Beute ihm entglitt. Schwerfällig setzte sich der Kahn in Bewegung, durch die Planken lief ein Beben, tief dröhnte der Motor und drückte sie langsam ab. Doch der wandernde Strudel war nicht bereit seinerseits loszulassen, klammerte sich wie ein Fluch an den Rumpf. Es fühlte sich an, als würde ein riesiger Kraken seine Arme um das gesamte Gefährt schlingen.
»Mehr Schub!« befahl Ash’ur und trat zum Steuermann. Vor dem Rad gab es zahlreiche Hebel und Knöpfe. Die alle notwendig waren für die Aufrüstungen die inkompatibel waren mit der Takelagenkonstruktur.
»Einschlagen!«
»Aye,« kam die Antwort prompt, das Schiff knarzte, als das Steuer bis zum Anschlag gedreht wurde. Ash’ur grinste und wiederholte laut: »Mehr Schub!«
Sie würden einen gewaltigen Satz machen, wenn sie sich endlich losrissen. Es war ihm egal, die NINIVE würde dies aushalten.
Locker fünfzig Indezes später gab er den Befehl zu drosseln. Die Fetzen der kaputten Segel flatterten im Fahrtwind, der einzig durch ihre Bewegung verursacht wurde. Sie glitten wieder frei dahin.
»Ich bin in meiner Kajüte, holt die Zeit auf!«
Seine dickliche Matrone nickte ihm zu und brüllte statt seiner Reparaturbefehle und berief die Kanoniere sich vorzubereiten.

Der Kapitän selbst trat in sein Privatrefugium. Ausgestattet mit allen Hilfsmitteln, Atlanten, Kartenmaterial, Datenscheiben, einem umfunktionierten Schreibtisch - er hatte ihn ästhetisch gefunden und behalten. Als die Tür ins Schloß fiel, legte er den Kopf schief, wie würde sich ’Hinreißender Hintern’ wohl auf eben jenem Tisch machen? Er leckte sich die Lippen und gab sich einen Augenblick den Gedanken an sie hin, wie er sie hier in seinen Räumlichkeiten verführen würde. Wäre sie nur nicht solch eine kreuzrenitente Made!
Als es ihm eng wurde in der Hose schüttelte er die Vorstellung daran ab, wie er ihr ihre schicke Montur vom Leib zerrte. Hätte er sie je hier, würde er sie nackt aussetzen, nachdem er ihr dasselbe angetan hatte, was sie mit ihm gemacht hatte. Und ihr Schiff versenken. Und wenn sie dann bettelte, würde er sie gnädigerweise vielleicht wieder an Bord holen. Ash’ur machte sich nichts vor, er konnte sie nicht behalten, wäre sie an Bord der NINIVE würde sie zum Meutern aufwiegeln. Aus den Regalen holte er sich seine Bastelarbeiten. Er liebte es Altes mit Neuem zu verbinden. Eine Muskete mit aufgesetztem automatischem Zielsucher. Ein Kompass mit Sprachausgabe. Eine Rezensionsscheibe mit verschnörkeltem Schallplattenspielerkopf - mit Elfenbeinnadel, zum Vorlesen lassen. Es gab einen herrlichen Klang. Er kramte in einer der Kisten und fand, was er gesucht hatte. Einen uralten Anstecker ohne rückseitigem Verschluß. Auf der Vorderseite war ein dicker Smiley in knallgelb. Er nahm sich die Werkzeuge und bohrte Löcher in die Mundwinkel und die Augen. Dann kramte er Dioden hervor und lötete sie an, verband sie miteinander und hielt einen kleinen Impulsgeber daran. Es britzelte, schlug einen hohen blauen Funkenbogen und er nickte selbstgefällig. Den Smiley sah man jetzt kaum noch, musste man aber auch nicht, aufgeladen, würde das kleine böse Ding demjenigen dem er es an die Brust heftete einen ordentlichen Stoß versetzen. Er beabsichtigte es ’Hinreißendem Hintern’ persönlich zu schenken. Und dabei zuzusehen wie sie nach hinten bewusstlos überkippte.

Die CASSIS hatte am Portal beigedreht und angelegt. Mit einem großen Lesezeichen heftete sie sich an das schimmernde wabernde Ei, welches den Einlass darstellte. Das Corvus war ausgefahren und ragte bis an das Portal heran, bereit diejenigen die zurückkehren würden, aufzunehmen. Niemand bewegte sich an Deck, der dreieckigen CASSIS. Sie war geformt wie ein Rochen, mit zwei großen Flügeln und einem Hausartigen Aufbau auf dem Rücken. Der lange spitz zulaufende Schwanz diente als Ruder. Vorne an der Längsseite befanden sich die Rammböcke, mit denen sie seine NINIVE in Richtung des Strudels gedrückt hatte. Es war kein echtes Tier, auch wenn er manchmal glaubte, dass das rivalisierende Schiff durchaus über eine künstliche Intelligenz verfügen mochte.
Seine Leute brachten die Enterhaken in Stellung. Was jedoch kaum nötig war. Sie konnten längsseits geradezu anlegen und bequem hinüber spazieren.
Ash’ur trug Kampfgerechte Überkleidung aus einem Flickwerk an gesammelten Beutestücken. Sein Mantel bestand aus ledernden Buchrücken, die so übereinander genäht waren, dass sie einen schweren aber soliden Schutz ergaben. Sein Hemd war aus feinster Spinnseide einer unbekannten Alienart, denen er viel zu nah gekommen war in einer der Geschichten. Er trug die neuesten Markenturnschuhe, die gar nicht zur Montur passen wollten. Aber bei Ur, er war den ganzen verdammten Tag auf den Beinen und ohne geeignetes Schuhwerk - man erinnere sich nur an die unmöglichen Sandalen früher (!) - konnte er ja gleich wieder abziehen. Atmungsaktive Materialien, gegen die Schweißfüße, Polster gegen Druckstellen und Blasen und eine maßgefertigte Einlage gegen seinen Hallux Valgus. Der Hersteller hatte nicht zu viel versprochen: Es war wie auf Wolken gehen. Abgesehen davon: man gönnte sich ja sonst nichts. Wenigstens hatte er ein Paar bekommen, welches nicht so schreiend bunt ausgefallen war. Man stelle sich vor, der assyrische König der Peiran in knall orangenen Asics.

Mit über dem Kopf erhobenen Händen warteten die Handvoll zurückgelassener Mannschaftsmitglieder der CASSIS.
Ash’ur begrüßte sie auf seine Art.
»Hallo. Wie geht’s?« Dann haute er dem ersten in der Reihe Eine runter. Der flog gegen seinen Nebenmann und riss diesen mit zu Boden. Ash’ur trat an den nächsten heran, der ihn verängstigt anlächelte. Dieser Hund.
Ash’ur holte aus und hieb ihm die Faust roh auf den Kopf. »Für dein dämliches Grinsen.«
Die nächste wich einen gehörigen Schritt zurück: »Nicht ins Gesicht!«
Ash’ur hob die Augenbrauen. »Ich schlage keine Frauen.« Er würde sich nicht lange aufhalten, sah begeistert dabei zu, wie das Mädel die Hände sinken ließ und tief Luft holte. Dann ging er zum nächsten über und deutete zur Seite: »Sie schon.«
Seine Offizierin küsste sich ihre geschlossene Faust: »Oh ja!«
Das Klatschen und den Aufschrei überging er, als er in die leere Luft starrte. Dann wanderte sein Blick hinab. Ein Fuß, in etwa so groß wie ein halber Apfel trat vehement gegen seine professionellen Eishockey-Schienbeinschoner. Er musste lange hinab schauen und bückte sich anschließend, griff den Gnom mit einer Hand und hielt ihn in die Höhe, damit er ihm ins Gesicht sehen konnte.
»Komm’ nur her, wenn du dich traust!«
Das Keifen des Männleins belustigte ihn. »Rumpel, lange nicht gesehen.« Er ließ den kleinen Mann am ausgestreckten Arm verhungern und sah sich aufmerksam um. Dann fand er an dem Aufbau etwas das seinen Erwartungen entsprach und hängte das Männchen daran auf. Da er heute wirklich übel gelaunt war, zog er ihm vorher, trotz der flinken Ärmchen die ihm versuchten in die Augen zu stechen, die Unterhose hinten aus dem Bund. Rumpel schrie und strampelte, als er damit aber nur erreichte, dass sich der Stoff straffer zwischen seine Backen zog, hörte er auf und jankte.
Die bösen Beschimpfungen, die er Ash’ur hinterherwarf, überging dieser ebenfalls und rieb sich die Hände, die sauber waren, an seiner Hose ab.
Zurück an der Reihe der Gefangenen hob er denjenigen auf, der sich einer ersten Abreibung bisher entzogen hatte. Er half ihm auf die Füße.
»Ein neues Gesicht, wie mir scheint.«
Der Jüngling ihm gegenüber blinzelte: »Aye, Sir.«
Seine Mannschaft lachte, jemand hinter ihm gröhlte: »Lektion Eins!«
Chuwawa wiederholte: »Ups! Er hat seine Lektion noch nicht gelernt.«
Der Jüngling blickte unruhig hin und her. Bevor er jedoch fragen konnte, stand er mit beiden Füßen sicher auf Deck und Ash’ur trat einen Schritt zurück, breitete die Arme aus und verbeugte sich angedeutet: »Ich bin AŠŠUR. Man nennt mich hier den König. Deine erste Lektion ist«, er krempelte sich den Ärmel des Mantels auf soweit er kam, dann schüttelte er seine Hand aus und erzählte ruhig weiter: »Leg’ dich einfach nicht mit mir an.« Dann schepperte die Ohrfeige links. Ash’ur ließ sich nicht von seinen Leuten feiern. Er statuierte Exempel. Daher wiederholte er die ganze Prozedur mit der rechten Hand und holte aus. »Lektion Nummer Zwei.«
Der Junge hielt sich die Wange und hob gerade rechtzeitig den Kopf um das Unheil kommen zu sehen, welches nun seiner anderen Wange einen hübschen roten Anstrich verpasste.
»Wenn du mich ansprichst, heißt es nicht Sir, sondern Hoheit!«
Jetzt grinste er sogar selbst. Und schüttelte beide brennenden Hände aus.
»Lektion Nummer Drei.«
Dem Kleinen standen die Tränen in den Augen und er hob abwehrend beide Arme vor sich. Ash’ur kniff die Augen zusammen. Wie konnte es der Bursche wagen seine angemessene Strafe und seinen Willkommensgruß unter den Peiries nicht entgegenzunehmen wie ein Mann!? Der würde es nicht lange machen, so viel war mal klar.
Chuwawa krächzte und flatterte von seiner Schulter hoch um den Jungen Mann zu umkreisen: »Ups!«
Der Junge wedelte nach dem Vogel und Ash’ur schlug gnadenlos zu. Mit beiden Armen gleichzeitig, das Leder des Büchermantels knarzte über seinen Muskeln. Er durchbrach die schlappe Abwehr und nutzte die Ablenkung, dann donnerten seine beiden flachen Handteller links und rechts gleichzeitig auf den Kopf. Der Junge verdrehte zwischen seinen Händen die Augen und wurde bewusstlos, ehe Ash’ur ihm die Lektion einbläuen konnte.
Er öffnete die Hände und ließ los, der Körper sackte zu Boden. Scharf sog der König die Luft ein: »Na bravo.«
Chuwawa setzte sich auf den Gefallenen und wetzte seinen Schnabel an dessen Hemdknopf: »Schlappschwanz!«

Ash’ur wandte sich um: »Wer von euch Halbstarken möchte jetzt die Hand heben um mir zu signalisieren, dass er weiss wie Lektion Nummer Drei lautet?«
Niemand reagierte. Ash’ur verschränkte die Arme: »Also seht ihr, wenn ihr mir nicht freiwillig antwortet, muss ich mir einen Freiwilligen aussuchen.« Er deutete lapidar auf den Bewusstlosen, indem er ihn mit dem Fuß anstieß. Durch seinen guten Schuh, spürte er gar nichts. Wie gesagt, ohne gute Schuhe, war man heutzutage wirklich aufgeschmissen.
Der Gnom keifte vom Haken: »Keiner sagt ein Wort, ich schwöre euch, ich sorge dafür, dass ihr gehängt werdet, wenn ihr auch nur einen Pieps macht.«
Ash’ur lachte auf: »Willst du ein Duell Rumpel? Denn ich schwöre euch...« er sah sich die Reihe an: »Dass ich jeden von euch hängen werde und hinter meiner NINIVE durch die Leere schleifen werde, mit einem hübschen Umweg zum Spannungsstrudel, der in ungefähr einem Register entfernt noch irgendwo herumstreunt und 'ne verfluchte Wut im Bauch hat, weil er MICH nicht verschlingen durfte. Der Kleine hat also was gut bei mir.«
Rumpel: »Er blufft! Kein Wort, das ist ein Befehl!«
Ash’ur strich sich mit seiner Hand durch den Bart. Das einzige Zeichen, wer er einst gewesen war, ein dichter schwarzer Bart, gehegt und gepflegt. Er hatte überlegt ihn abzunehmen, um nicht so Hipster zu sein. Andererseits gefiel ihm sein Bart und nur das zählte.
Schließlich muckte das Mädel: »Nummer Drei.«
Ash’ur hob eine Hand drohend: »Du sollst dich melden, bringt man euch denn keinerlei Höflichkeit mehr bei?«
Sie duckte sich, da die dicke Matrone noch immer neben ihr stand. Dann hob sie eine zittrige Hand in die Luft und sah Ash’ur an, um aufgefordert zu werden zu sprechen.
Er ließ sie verhungern. »Sonst niemand?« Schön, wenn hier wenigstens eine die Eier in der Hose hatte Verantwortung zu übernehmen, aber es würde dieser verlausten Bande nicht schaden, wenn sie alle mal ein wenig für einander einstanden. Schließlich stieß die Frau mit ihrem freien Ellenbogen ihren Nebenmann in die Seite, der daraufhin stöhnend ebenfalls die Hand hob.
Ash’ur grinste: »Na also!«
Dann forderte er den Kerl auf: »Hoffe du weisst die korrekte Antwort. Deine Kameradin hebt wahrscheinlich den IQ des ganzen Schiffes um 100 an, also?«
Die Augen des Kerls funkelten wütend, er spie die Worte aus: »Was der König will, bekommt der König.«
Ash’ur klatsche begeistert in die Hände. Die versammelten CASSISer zuckten zusammen, als hätte er ihnen Ohrfeigen erteilt.
»Wenn wir uns das nächste Mal begegnen, erwarte ich, dass ALLE mir antworten können.«
Es kam keine Antwort, er hob seine Linke drohend und schon gab es ein mehrstimmiges verkniffenes: »Aye.«
Zufrieden verschränkte Ash’ur seine Finger und drückte sie mit den Handflächen in ihre Richtung nach außen bis es leise knackte. »So. Und ihr könnt euch denken, was ich will.«

Rumpel muckte wieder auf: »Gar nichts kriegst du!« Er zappelte schon wieder herum. Und dieses Mal so energisch, dass man Stoff reißen hörte und er einen Wimpernschlag später mit einem dumpfen Plumps auf seinem Hosenboden saß. Er rappelte sich sofort auf und stiefelte übel gelaunt wie ein garstiger Kobold, dem man den Topf am Ende des Regenbogens geklaut hatte, auf Ash’ur zu. Dabei rieb er sich mit einer Hand den Hintern. Sein Gang war auch eher gestelzt, da sich zweifellos die Reste seiner Buxe noch immer spannten.
Auf den Disput ließ sich Ash’ur nur zu gerne ein, ’Hinreißender Hintern’ war schon eine Marke für sich, aber ihr Chefkoch gefiel ihm auf einer anderen Ebene. Dreist und verlogen war er, aber ein kluges Köpfchen für so einen schmächtigen Kerl. Ash’ur blickte auf ihn hinab: »Wie lange ist dein Kapitän schon drin?«
Rumpel spuckte ihm vor die Füße. Oh ja, dreister kleiner Mann.
»Ich habe keine Zeit für dein Benehmen, Rumpel, rede!« Er fügte kein ’Oder’ an. Der Gnom stampfte mit dem Fuß auf. »Macht dass ihr von unserem Schiff kommt!«
Ash’ur schüttelte einfach nur den Kopf: »Rede!«
»RUNTER!«
So konnte das jetzt Stundenlang weiter gehen. Stunden, die Ash’ur nicht hatte. Er schnippte mit den Fingern: »Tenacious...«
Der Angesprochene nickte und befahl zwei weitere Leute zu sich um mit ihnen ins Haus zu gehen. Rumpel stampfte erneut mit dem Fuß auf und flitzte um die Reihe seiner Kameraden herum um sich T.D. in den Weg zu stellen. T.D. trat ihn schlichtweg und der Gnom sauste den Weg den er gekommen war zurück. Überschlug sich in mehreren Purzelbäumen und flutschte durch die Beine des Mädels die noch immer brav ihren Arm erhoben hatte, um dran genommen zu werden. Aus der könnte etwas werden. Rumpel purzelte an Ash’ur vorbei und prallte gegen die Beine der NINIVEr.

Endlich erbarmte sich Ash’ur und deutete auf die brave Schülerin: »Also?«
Auch wenn T.D. inzwischen im Haus verschwunden war und man gut hören konnte, wie sie die Einrichtung auseinander nahmen, wahrscheinlich die des Speiseraums, haspelte sie schnell herunter: »Der Käp’ hatte gehofft, die NINIVE würde lange genug aufgehalten werden, bis sie wieder da ist. Sie hat die Rückkehruhr auf weniger als 100Seiten eingestellt.«
Seine Mannschaft geriet ins Rumoren. Er selbst dachte spontan in ähnlichen Bahnen wie sie. Das war viel zu kurz, reichte gerade für einen groben Überblick, in 100 Seiten konnte man den Stil vielleicht grad greifen, sich überzeugen ob es ein Lektorat gegeben hatte. Aber es sagte nichts darüber aus, wie die Handlung, die Charakterentwicklung lief. Und noch weniger ob das idyllische Einleitungsgeplänkel sich nicht nach der Hälfte in Dantes Inferno verwandeln würde. Er schüttelte den Kopf. Auf der anderen Seite verstand er gut, warum ’Hinreißender Hintern’ es so hielt. Rein und raus, ihn abhängen. Sie rechnete damit, dass er die Stunde, die sie im Werk steckte, im Strudel festhing. Und dann erst hier her segelte, sie unterschätzten seinen Segler doch alle in der Hinsicht. Hatten sie den Außenbordmotor wieder eingeholt und versteckt? Man musste doch an seinen schlechten Ruf denken, sollte sich ruhig herumsprechen, dass er ’wie aus dem Nichts’ einfach vom Strudel direkt vor die Nase der CASSIS gesprungen war.

’Hinreißend heißer Hintern’ wollte ihn abhängen und schon zum nächsten Portal fliegen, während er hier mühsam anlegte und sich seinerseits überlegen sollte ob er auch nur eine Stunde im Werk verbringen sollte.
Während sie zum nächsten Portal reiste und ihre Rezension schrieb, diese Online ging, war er noch nicht einmal wieder auf seinem Schiff. Ash’ur kniff die Augen zusammen. Er überlegte, sollte er reingehen, sie dort drin aufspüren und ihr mal zeigen wie man es richtig machte? Nein, sie wusste, dass eine anständige Rezension mehr als ein Drittel der Seiten benötigte. Sie war eine erstklassige Rezensentin, die das Publikum nicht mit leeren Hülsen abspeiste. ’Hinreißender Hintern’ würde niemals schreiben: »Ich fand’ einfach keinen Zugang zu dem Buch.« Im Aufspüren und Angeln der Portale um das Corvus auszulegen, war sie 1A. Nein, sie wollte sich nur einen Vorsprung erarbeiten. Was war schon ein grob überflogenes Buch, gegen einen Vorsprung in der Onlinezeit? Manchmal hasste er ihre Voraussicht.
»Fein. Richten wir uns häuslich ein und begrüßen wir unsere Kollegen doch!«
Rumpel stöhnte und rieb sich den Kopf, Blut rann aus einer Schürfwunde über seinen Arm und seine Stirn. Ash’ur schnippte in seine Richtung: »Bringt ihn irgendwohin, wo er meine Kreise nicht stören kann.«
»Und der Rest?«
Warum hatte Ash’ur den Eindruck, dass das irgendwie blutrünstig geklungen hatte?
»Bindet sie hier draußen alle mit dem Rücken einander.« Er musste ja hoffentlich nicht noch dazu sagen, dass man jedem einzeln die Hände verbinden sollte? Ach was sollte es, würde schon nichts passieren.


Zuletzt von Admin am Di 30 Mai 2017, 19:15 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: notorious   Di 30 Mai 2017, 18:44

>>> notorious<<<
Hätte sein Leben einen eigenen Soundtrack, er wüsste welche Lieder darauf zu finden gewesen wären. Im Bereich der Musik hatte es wahrscheinlich viel mehr Durchbrüche gegeben als in der Literatur. Doch die Fähigkeit in Lieder zu springen steckte noch in der experimentellen Phase. Wahrscheinlich würde dies niemals funktionieren. Man konnte in das Notenblatt springen, auf dem Notensystem balancieren, die Tonleiter hinauf und hinabklettern und im Notenschlüssel ein Nickerchen machen, doch man hörte nicht, fühlte nicht, erlebte die Musik nicht. Auch war es kein großes Wagnis in die Lyrics zu springen, so diese zugänglich waren - und nein, Servietten und ähnliche Notizen waren dies gewiss nicht! Doch war es wie mit Gedichten, sie erschufen im schlimmsten Fall keine Spähre nur vorbeifliegende Wortfetzen wie das Gebiet in dem die Peiries herumschipperten. Es war eine hohe Kunst Gedichte und Liedzeilen zu rezensieren. Schwerer als ganzen Sätzen zu folgen. Auch Gemälde waren nicht dazu in der Lage betreten zu werden. Man stelle sich das einmal vor, wie still es dort wäre, da keinerlei Töne und Schwingungen hinterlegt waren. Es gab keinen Interpretationsspielraum, wenig Vorstellungskraft, da man es ja bereits sah. Über Filme musste man also auch nicht nachdenken, das verbot sich von selbst, etwas was bereits jemand anderes gespielt und dargestellt hatte, konnte man nicht betreten und auch nicht klauen. Sonst hätte man ja den realen Schauspieler in einem Zeitparadoxon beklaut, da ja das Geschehene schon vor langer Zeit abgefilmt worden war. Nein, es ging nur mit Büchern und das war auch gut so.

Ash’ur nutzte die Zeit, die sie wartend verbrachten damit sich von seinen Leuten aus der CASSIS Kombüse etwas zum Essen bringen zu lassen. Immerhin hatten sie sich ja selbst eingeladen. Er ließ einen Tisch aus dem Aufenthaltsraum holen, ihn eindecken, setzte sich dahinter, mit Blick zum Portal und dem Steg. Dann begann er eine große Schüssel kleiner, aber feiner blauer Trauben zu verputzen. Dabei überlegte er noch, ob Trauben zu Beeren zählten und somit in seinen persönlichen Essensplan besser passten als Bananen. Dann fragte er sich wieso die CASSIS keine Blaubeeren an Bord hatte. Allerdings wollte er nicht noch einmal jemanden in den Lagerraum schicken, da Rumpel schon jetzt viel zu aufgebracht war. Und so ein kleiner Kerl würde sicher einen verdammt schmutzigen Herzaussetzer bekommen, wenn seine Leute ihm die Haare vom Kopf fraßen. Außerdem hatten sie selbst genug und das hier diente lediglich als Demonstration seiner Kraft. Bei Ur, wenn er sich auf einen Schwanzvergleich mit ’Hinreißender Hintern’ einlassen wollen würde, dann musste er schon dicker auftragen.

Nach Ablauf der hundert Seiten veränderten sich Struktur und Beleuchtung des Portals. Ash’ur straffte sich.
»Sieht so aus, als könnten wir dann jetzt loslegen.«
Seine Leute standen bereit, strategisch positioniert über beide Schiffe. Er selbst prächtig aufgepflanzt in der Mitte, ihren Rum trinkend, ihre Trauben vernaschend. Neben dem Tisch die zurückgelassene Handvoll Mannschaft, als schönes Paket verschnürt. Ein kleiner Willkommensgruß. Rumpel hatten sie in die Besenkammer gehängt und abgeschlossen. Dort konnte er nach Herzenslust mit dem Handfeger raufen.
Dann trat sie aus dem Portal und mit ihr der Rest ihrer Mannschaft. Sie sah verboten gefährlich gut aus. Der dunkelblaue Mantel, der ihr viel zu weit war, den sie aber aus einem erfindlichen Grund heiß und innig liebte, er hatte sie noch nie ohne gesehen. Zugegeben sie hatten sich ohnehin noch nicht oft gesehen. Die blitzenden Schnallen auf den Gamaschen. Diese blöde wippende Feder an dem Schlapphut, den sie so gern tief in die Stirn zog, damit man nur ihr katzenhaftes weißes Grinsen -
»Was soll das?« raunte Ash’ur und erhob sich, er kam um den Tisch herum, verengte die Augen. Mit einem Mal knurrte er wölfisch und seine Mannen richteten ihre Waffen aus. Das war nicht ’Hinreißender Hintern’. Dieselbe Größe in etwa, unter dem Mantel verborgen die Gestalt, Gang und Gehabe passten aber nicht. Keine Waffen, keine Aufnahmegeräte. Sie ließ sich nicht helfen und an die Hand nehmen, da müsste sie schon verletzt sein. Für einen Moment glaubte Ash’ur das tatsächlich, eine schwere Wunde oder ein mächtiger Schlag auf den Kopf, neuronale Angriffe? Dann erkannte er noch etwas, das was da unter der Krempe hervorlugte war feinste weiße Spitze. Einstmals weiße Spitze, je näher die Gruppe kam. Sie machten keine Anstalten inne zu halten und sich zu wundern, wieso ihr Schiff gekapert war. Niemand flüchtete zurück ins Portal oder zog seine Waffe, sie kamen einfach näher.

Tobias erkannte er an dessen lockigen Haaren, als er die Hand hob und als erster seinen Fuß zurück auf die CASSIS setzte: »Pünktlich auf die Minute.« Er warf dem Tisch neben Ash’ur einen Blick zu: »Und ausgeruht, wie ich sehe. Gut.«
Ash’ur verschränkte die Arme, wartete ab. Er war niemand der etwas überstürzte, dafür hatte er zu viele Asse im Ärmel.
Tobias strich sich die widerspenstigen Locken aus dem Gesicht, wartete nun auch. Es vergingen weitere Augenblicke ohne jede Regung, niemand griff an oder sagte etwas. Ash’ur schnalzte schließlich: »Nun mach mal die Denkmurmel auf und erkläre mir diese Scharade!«
Unter dem Hut blickte sich ein verängstigtes junges Ding um und senkte gleich wieder den Kopf, faltete ihre Hände, die in feinsten Lederhandschuhen steckten auf Höhe ihres Schoßes und stand in so perfekter Croisé, dass er das Gefühl hatte, sie würde jeden Augenblck die Arme heben und zu einer Arabesque ansetzen. Ash’ur rieb sich mit dem Handrücken über den Mund. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit dem Crewmitglied der CASSIS zu.
Der Mann schnippte schon wieder an seiner Haarsträhne herum. Dann holte er Luft und drehte sich, so dass Ash’ur und die Fremde sich gegenüber standen.
»Wenn ich vorstellen dürfte, Eure Hoheit? Ihre Hoheit!«

Er erklärte sich nicht weiter. Ash’ur trat einen Schritt vor und das Mädchen sank in einen anmutigen Knicks. Obwohl sie kein Kleid trug, sah man sofort, wie geschult ihre Muskeln waren, wie grazil und geübt sie diesen Knicks ausführte. Dann kam sie wieder empor. Mit einer fisteligen Stimme, niedergeschlagenen Wimpern und einem Hauch Röte auf den Wangen: »Es ist mir ein Vergnügen, König Aššur-bāni-apli, Herrscher des assyrischen Reiches, Kriegsherr, Erbauer, Peiran, Schwelger.«
Ash’ur lehnte sich zurück und sprach gen Tobias ohne den Blick von der Frau zu nehmen: »Das hast du ihr doch beigebracht?«
Der Schelm grinste: »Natürlich, Hoheit, wir wollen doch keinen eurer wunderschönen Titel auslassen!«
Ash’ur knurrte in seinen Bart und stellte sich wieder gerade. Oh ja, Herrscher, Kriegsherr und so weiter, darüber hatte er nie vergessen wo er hergekommen war und was es bedeutete ein König zu sein. Er streckte ihr seine Hand entgegen, nun endlich sah sie zu ihm auf und ihm direkt in die Augen. Jetzt erst konnte er sehen, sie hatte geweint, feine rote Sprenkel benetzten das reine Weiß ihres Kragens, auch in ihrem Gesicht klebte eine feine Gischt.
»Mit wem habe ich die Ehre, Hoheit?«
Die Frau holte Luft, als würde sie jetzt erst glauben, dass sie in Sicherheit war. »Prinzessin reicht vollkommen, Eure Hoheit.«
Das ließ Ash’ur sich doch gern gefallen. Änderte aber nichts ander Tatsache, dass er immernoch kein Stück klüger war.
»Prinzessin und weiter?«
Sie senkte wieder den Blick und schien etwas zu flüstern. Er verstand es nicht, dabei hatte er stets angenommen ganz gute Ohren zu haben. Als er schon nachfragen wollte, mischte sich Tobias wieder ein.
»Ich sagte der Prinzessin, dass ein König jenseits des Portales auf sie warten würde, bei dem sie in Sicherheit wäre!« Er stieß Ash’ur vorsichtig von der Seite an. Der nicht genau wusste wie er reagieren sollte, schien ein Wink mit dem berühmten -
Und da rauschte sie auch schon in die Ohnmacht und brach zusammen, fiel ihm regelrecht vor die Füße, mit einem leise geseufzten: »Hach.«

Ash’ur besaß nicht die Geistesgegenwart sie aufzufangen. Er ließ ihre Hand durch seine gleiten und sah ihr seelenruhig dabei zu wie sie dahin glitt. Es gab keinen Ton, als sie niederlag. Ash’ur presste die Lippen aufeinander: »Kommt das öfter vor?«
Tobias schlenderte zum Tisch: »Aye. Wenn du mich fragst, nicht unüblich in diesem Buch. Eine Art, Schutzreflex. Die Ghoule lassen dann von ihren Opfern ab.«
Ash’ur verdrehte die Augen: »Ah... Zombies Gute Zeiten, Schlechte Zeiten.«
Und ein weiteres Buch, welches den Aufwand nicht lohnte, momentan wurde der Markt geradezu überschwemmt mit diesen Untoten, alle Jubeljahre wieder.
Tobias hob resigniert die Schulter an, es kümmerte ihn nicht, er nahm sich von den Trauben.
»Der Kapitän sagte, du würdest hier sein. Sie hatte Recht.«
Ash’ur ließ das Prinzesschen liegen und kam zu Tobias. Der Mann war ein guter Peiran, aber Ash’ur lag nicht viel daran, mit ihm hier Pläuschchen zu halten.
»Wo ist dein Kapitän?« versuchte er endlich herauszubekommen, warum Prinzessin Narkolepsie in den Kleidern von ’Hinreißender Hintern’ auftauchte.
Tobias hob jedoch eine Hand, um ihm Stille zu gebieten. IHM!
»Immer langsam Eins nach dem Anderen.«
Ash’ur murrte: »Na auf die Ausführung bin ich gespannt.«
Jetzt jedoch sah sich Tobias erst einmal in Ruhe um, nur um dann festzuhalten: »Wo steckt Rumpel?«

Freundlicherweise hatte T.D. sich der Bewusstlosen angenommen und sie so lange ins Haus verfrachtet. Während Tobias Ash’ur draußen aufklärte. Viel lieber hätte Ash’ur dem hochnäsigen Wicht eine Tracht Prügel verpasst und er spürte, dass es seinen Leuten ebenso ging. Besonders seiner Offizierin juckte die böse Linke. Sie schüttelte die ganze Zeit den Kopf, man musste kein Menschenkenner sein um zu erkennen, dass sie Tobi nicht ein Wort glaubte.
»Tja, du siehst, ich weiß so viel wie du, aber der Kapitän hat immer seine Gründe.«
Toll, von dem Geschwafel konnte sich Ash’ur auch nichts kaufen. Vor allem keine Erklärungen.
»Du willst mir allen Ernstes sagen, sie steckt noch da drin? Und hat nicht die Absicht herauszukommen?«
Tobias hob einen Finger: »Nein ... äh ich meine schon. Aber hast du mir überhaupt zugehört?«
Ash’ur warf ihm einen bösen Blick zu: »Du willst mir sagen, dass ihr die Prinzessin gefunden habt, auf einer Waldstraße, allein in einer kaputten Kutsche, überall Blut und Kratzspuren; sie faselt was von einem Ball und dein Kapitän hat nichts Besseres zu tun, als sich die volle Truhe mit der Ballkleidung zu schnappen und statt der Hoheit dorthin zu gehen und euch die Anweisung zu geben, ihr sollt die Prinzessin zu MIR bringen?«
Tobias wiegte den Kopf, überlegte und nickte dann: »Korrekt.«

Ash’ur spuckte aus: »Was soll das, spielen wir: Heute nehmen wir den König der Peiries auf die Arme?«
Tobias hob seinen Finger: »Ungekrönter König, Euer große Selbsternanntigkeit.«
Ash’ur packte die Hand des Mannes und griff mit der anderen nach dem ausgestreckten Finger. Tobias schrie auf und versuchte seinen Arm wegzuziehen, doch zu spät. Es knackte bereits. Laut schreiend ging der Peiran in die Knie und riss endlich seinen Arm an seinen Bauch. Er fluchte halb und heulte mehr, presste die verletzte Hand gegen seinen Körper: »Du verdammtes Aas!«
Der König schnalzte nur: »So. Und jetzt fangen wir noch einmal vorne an. Ich sage dir was das hier ist. Das ist eine einzige riesige Scharade. Wo. Ist. Dein. Kapitän?« Er stellte sich vor den Mann, der an ihm empor blickte. »Du hast noch neun andere Finger und wenn diese mir ausgehen, hast du noch süße kleine Zehen und dann widme ich-«
»Schon gut! Schon gut!« Tobias schluckte, »Hol’ Rumpel, er weiss vielleicht mehr, der Kapitän bespricht ihre Pläne meistens mit ihm zuerst. Ich schwöre dir, ich nehme dich nicht auf den Arm! Sie hat uns nicht gesagt was sie vorhat, es erschien mir aber nicht wie eine Zufälligkeit, als hätte sie einen Spoiler gehabt!«
Ash’ur riss die Augen auf. Ein Spoiler, diese verdammten, dreckigen, leakenden Tunichtgute. Fast so schlimm wie der kalte Krieg, aber nur halb so gutaussehenden im schwarzen Bond. Ash’ur wedelte mit der Hand mit der er ihm den Finger gebrochen hatte. Tobias wich zurück: »Ich schwöre dir, sie wusste was sie tut! Sie hat deine NINIVE absichtlich gerammt um dich genau hier her zu locken, auf die CASSIS, nicht nur daneben! Und sie hat gesagt: Bringt die Prinzessin zu Ash’ur und sagt ihm, dass ich noch hier drin bin.«
Ash’ur bückte sich und griff Tobias Arm, der Mann schrie ihn an: »Ich schwöre mehr weiß ich nicht!«
Er ließ ihn wieder los und drehte sich um: »Nicht mein Problem.« Dann winkte er einmal im Kreis über seinem Kopf zum Zeichen des Aufbruchs.

Tobias rief ihm nach: »Komm schon, ich weiß doch auch nicht was sie an dir findet! Aber gibt es dir nicht zu denken, dass sie dich gut genug kennt um zu wissen, dass du ihr folgen wirst? Oder wenn das nicht, dass du das Mädchen dann wenigstens in deine - oh ich glaube nicht das ich das wirklich über dich guten Gewissens sage - in deine verfluchte Obhut nehmen wirst?!«
Ash’ur blieb stehen, während seine Leute ihm auswichen und ihn überholten. Er drehte sich über die Schulter um: »Und was gibt es dir zu denken, wenn ich nicht das tue, was man von mir erwartet?«
Tobias fiel zurück auf seinen Hosenboden und seufzte: »Sie hat gesagt, du würdest das sagen.«
Jetzt hatte der Peiran wieder ganz Ash’urs Aufmerksamkeit. Er drehte sich um und sah ihn an. ’Hinreißender Hintern’ hatte was? Tobias nutzte seine Chance, erstmal ein Geständnis anzubringen.
»Nicht genau das, aber sie sagte, - und ich zitiere, also bitte schlag mich nicht gleich wieder! - dass ’der bornierte sture Esel von einem Möchtegernkönig auf Garantie versuchen wird abzuhauen und so zu tun, als ginge es ihn alles nichts an.’«
Ash’ur lachte barsch auf: »Kluge Frau, dein Kapitän.« Er winkte zu Abschied wenig königlich und drehte sich wieder weg. Das hielt sie also von ihm? Verdammt, er würde sie NIE auf seinen Schreibtisch kriegen.
Tobias spielte seinen letzten Trumpf als Ash’ur schon mit beiden Händen seine Reling gepackt hatte und sich hochzog.
»Sie sagte, wenn alles andere nicht reicht, soll ich dir das sagen:-«
Er wartete absichtlich und Ash’ur stemmte sich hoch.
»Sonnenblumen.«
Ash’ur ließ wie vom Donner gerührt los. Er krachte zurück auf die CASSIS und wirbelte herum.
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