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 Saustall Kapitel 1

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Kurz-Vita
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BeitragThema: Saustall Kapitel 1   Mi 27 Jan 2016, 19:21

>>> Rein <<<
Schon mal rittlings in einem Schweinetrog gesessen? Kej auch nicht. Unter ihren Pobacken war es glipschig. Ihre Zehen verschwanden in einer Sauce aus braunen Brocken. Zu allem Überfluß fühlte sich die Matsche auch noch warm an. Die Assoziation lag nahe, in ein Plumsklo geraten zu sein. Es stank auch in etwa genau so wie man es dort erwartet hätte. Faulig, vergammelt und Würgereiz erregend. Ihre Arme hingen zu beiden Seiten aus dem Holzbehälter. Um diesen herum scharrte es raschelnd im Stroh. Grunzlaute näherten sich, zudem gab es unablässig schnüffelnde Geräusche und Schnauben.
Bis Kej die Augen öffnete vergingen mehrere Sekunden und selbst als sie es dann endlich tat, konnte sie kaum etwas sehen. Alles war in fahles Zwielicht getaucht. Beklemmung erfasste sie und brachte sie dazu Knie und Arme an den Körper zu ziehen. Wenigstens fror sie nicht, denn um sie herum verströmten Stroh und Tiere viel Körperwärme. Der Geruch jedoch zerrte an ihren Nerven und stieg ihr penetrant in den Kopf. Dort verursachte er stechende Schmerzen. Von weiter weg hörte sie einen Hahnenschrei, den sie beim besten Willen nicht zuordnen konnte.
Ehe sie jedoch überhaupt etwas einwandfrei zuordnen konnte, zum Beispiel das elementare Oben und Unten, wurden weitere Geräusche laut. Und damit nicht genug, auch Licht wurde herein getragen.
Kej würgte angewidert und schaffte es nur mühsam das wieder herunter zu schlucken, was ihr wieder hoch kam. Wahrscheinlich der Rum mit Cola und die Pizza von gestern Abend. Ihr Kopf ließ in aller Eile eine Rekonstruktion der Ereignisse zu. Anscheinend zu viel getrunken, Filmriss und anschließend irgendwo in einem Dorf bei einem Bauer in den privaten Stall zum Schlafen eingekehrt. Das Warum blieb ihr das Hirn schuldig. Aber froh war sie, dass es kein Hühnerstall war, Hühner waren noch ekliger als das hier.
Sie blickte sich um, während der warme Schein des Lichts näher rückte. Ah Schweine, das erklärte einiges. Moment, fraßen Schweine nicht alles was in ihrem Trog war? Sie riss die Hände unter die Arme, ehe eines der Viehcher auf die Idee kam von ihr zu probieren. Bei all den Chromosomen die ein Mensch mit den Schweinen teilte, wäre das dann nicht fast schon Kannibalismus?
Wieso sahen die Schweine nicht rosig aus? Sollten Hausschweine nicht rosa sein? Alles war so gelb-stichig. Wie durch eine Sonnenbrille mit einem Filter belegt. Kej tastete nach ihrem Gesicht, nein keine Brille. Dann lag es wohl an den Lichtverhältnissen. Bestandsaufnahme abgeschlossen. Unter ihren Fingern fühlte sie nur raue Haut. ’Nur’. Sie kam allerdings nicht mehr dazu dem Hinweis ihres enorm langsam arbeitenden Gehirns nachzugehen, welches ihr weiß machen wollte, dass ihre Haut noch nie so uneben verrunkelt gewesen wäre.
Denn polterte etwas. Das Geräusch konnte sie nicht zuordnen, es war aber ein Eimer gewesen. Der nun seinen Inhalt aus Brotbrocken, Apfelkitschen und Resten von Kartoffeln und Gemüse sowie einem Schmand aus Wasser und Grütze über den steinigen Boden im Gang vor dem Gatter ergoss. Es klang ein wenig, als ob die Brühe noch schäumen würde. Ein weiterer übler Geruch drang herüber. Merkwürdigerweise duftete das Gemisch beinah schon angenehm in der Umgebung und noch merkwürdiger war, dass Kejs Nase viel schneller den Geruch identifizierte als ihr Kopf sich dazu anschickte sich zu wenden und das Geräusch zum Ursprung zu verfolgen.
Als er es endlich getan hatte, war das aber auch nicht viel besser. Das Licht einer Laterne blendete sie und sie verzog den Mund, entblößte gelbe hervorstehende Hauer, blähte die Nasenflügel und kniff die gelb funkelnden Augen zusammen.
Ein Schatten bewegte sich schräg hinter dem Licht. Im nächsten Moment verzog Kej noch mehr das Gesicht zu einer Grimasse und stöhnte.
Das war kein Schrei. Das war unmenschlich und grotesk. Kreischend und den ganzen Stall somit erschreckend, inklusive Kej im Trog, stieß eine eindeutig weibliche Stimme diesen Laut aus. Dann entfernten sich Laterne und Kreischerin schleunigst auf dem Weg den sie herein gekommen war. Die Stalltür flog auf und schlug außen gegen das Holz. Fahles Morgengrauen erhellte den Stall nun weit freundlicher und angenehmer für den Kater in Kejs Kopf. Aus dem Schrei lösten sich einzelne Wortfetzen, denn anscheinend hatte die Unbekannte vor die Polizei nicht anzurufen, sondern gleich den Dorffunk zu nutzen.
»Ungeheuer!«
»Schweinestall!«
»Zu Hülf!«
Kej versuchte sich aufzurappeln. Obwohl sie es langsam angehen ließ, rutschte sie dennoch weg. Ihre Motorik spielte ihr Streiche. Diese fürchterliche Lache in der sie hockte machte das Aufstehen zu einer Mörderaufgabe. Und ihre Wahrnehmung drehte sich wie nach einer Achterbahnfahrt.
»Hört auf zu lachen!« herrschte sie darauf die Schweine an.
Um sie herum waren die Tiere in Aufregung geraten und quiekten, während sie wild umher liefen. Erst waren sie alle zum Trog gekommen, dann zum Gatter, in der Hoffnung, jedes von ihnen wäre das Erste welches bedient werden würde. Doch nach dem Gezeter waren sie übereinander und gegeneinander geflüchtet zur rückwärtigen Wand. Staub wirbelte durch die Luft, aber schlimmer war all das Gejanke der Viehcher. Kejs Ohren bluteten schon und sie konnte nicht mehr verstehen, was die Fremde draußen kreischte.
In der hinteren Ecke ihres Gehirns versuchte ein zierliches Stimmchen ihr klar zu machen, das etwas nicht stimmte. Aber sie konnte den Zusammenhang nicht herstellen, zu sehr damit beschäftigt aufzustehen und sich irgendwie aus dem überdimensionierten Fressnapf zu rollen. Über und über verklebt landete sie in dem zertrampelten Mist rund um den Trog. Sie riss den Kopf hoch und versuchte nicht einzuatmen. Und erneut rannten die aufgescheuchten Tiere um sie herum, trampelten über sie und machten Radau. Es klang noch immer als ob sie sich über sie lustig machten.
Kej kroch auf allen Vieren zum Gatter, von dem sie hoffte, dass es einfach zu handhaben war. Ein einfacher Riegel den sie nur hochdrücken musste oder noch besser einfach nur ein Seil der den einen Pfosten mit dem anderen brückte. Zu ihrem Glück war es genau das und sie befreite sich aus dem Dreck. Nur um dahinter in das Resteessen zu langen, welches sich über den ganzen Fußboden verteilt hatte. Würgend sammelte sie sich einen Moment und hörte die Schweine noch immer lachen.
Doch auch noch etwas anderes. Geschrei aus mehreren Kehlen. Wütendes Gekeife einer Frau mit hoher Stimme, die Antwort die wie ein Befehl peitschte. Aber die Worte an sich verstand sie nicht. Sie blickte sich um und legte sich die ersten Worte zurecht: »Ich kann das erklären.« Ja, so würde sie anfangen. Erst einmal aufstehen und stehen bleiben, das wäre von Vorteil. Sie würde sich entschuldigen die arme Frau so früh am Morgen so erschreckt zu haben. Und alles würde gut werden.
Das redete sie sich genau noch zwei Wimpernschläge lang ein, dann hörte sie von draußen: »...töten!« Und mehrere Lichter flackerten auf.
»Nicht ernst...«, setzte sie an und wich zurück weiter in den Stall, weg von der offenen Tür.
»Nicht witzig«, kam ihr über die Lippen und sie drehte sich um, sie bekam Angst. Im nächsten Moment handelte sie überstürzt aber aus dem Bauch heraus. Da war eine weitere Tür, die bestimmt auch hinaus führen würde. Statt sich zu erklären, würde sie einfach wegrennen. Weit konnte sie ja nicht gekommen sein, seit gestern Nacht. Kein Schloß, kein Schlüssel in der anderen Tür, sie stieß sie einfach auf. Sie war niedrig angelegt, wahrscheinlich nur für die Schweine. Dennoch bückte sie sich hindurch und schabte mit den Oberarmen links und rechts am Holz entlang, riss sich Splitter ein und fluchte unterdrückt. Wann würde bitte endlich ihre Orientierung den Dienst aufnehmen?
Draußen fand sie sich in einem umzäunten Bereich wieder, der anscheinend der Suhlpferch war. Er bestand nur aus Matsche. Und nicht nur das, lieber nicht darüber nachdenken. Ihre Füße sanken tief ein und verursachten schmatzende Geräusche, garniert mit einem auf halber Strecke verreckendem Furz. Sie schüttelte sich, sah hinunter und blinzelte mehrmals heftig. Ihre Füße sahen aus wie Kindersärge und die Nägel wie zersplitterte Fortsätze. Wo bitte hatte sie ihre Schuhe gelassen? Oder waren das ihre Schuhe?
Hinter ihr wurde es lauter und sie warf einen letzten Blick zurück. Just in dem Moment als Schatten das Grauen des Morgens der gegenüberliegenden Tür vertrieben, fuhr sie herum und versuchte im Morast davon zu kommen. Sie rutschte prompt aus und lud sich noch eine Ladung mehr stinkendes Zeug auf. Sie war ja auch wirklich noch nicht bedient genug. Statt quer über den ganzen Pfuhl stützte sie sich an der Wand des Stalls ab und kletterte über den Zaun. Sie ärgerte sich, dass sie die Türe hinter sich nicht wieder geschlossen hatte, denn so erahnte, wer auch immer in den Stall gelaufen war, dass sie sich auf und davon gemacht hatte.
Ein Kopf schob sich auch sofort aus der Luke und schrie: »HIER HINTEN!«
Kej fuhr erschrocken zusammen und krachte unelegant auf der anderen Seite des Zauns herunter. Zum Glück war der Boden hier nicht ausgetreten und sie kam schnell hoch. Wenn auch mit schmerzendem Ellenbogen und Knie. Egal. Adrenalien schoß ihr ohnehin schon durch den Körper und ließ nicht zu, dass so etwas unwichtiges wie Schmerz bis hinauf in ihren umnebelten Kopf dringen konnte.
Auch hier draußen hatte alles einen getönten Stich. Und außerdem war hier weit und breit nichts. Sie rannte auf das Geratewohl los, bloß weg von dem Stall. Ihr fiel auf, dass ihre Schrittlänge ganz schön beträchtlich war. Und es war kühl. Jedenfalls um einiges kühler als im Stall. Wind strich ihr über die Haut, was nicht sein sollte, es sei denn sie wäre, verdammt, nun ja, nackt. Sie hatte keine Zeit stehen zu bleiben, aber das konnte sie auch locker im Laufen betrachten. Um ihre Hüfte hing ein Fetzen braunen Irgendetwas. Und weiter oben schien sich noch ein weiterer Fetzen für so etwas wie ehemalige Bekleidung zu halten. Dazwischen blitzte ihre Haut grün hervor. Die auch rosa hätte sein sollen. Also zumindest beige. Musste auch an ihrem Kater liegen. Die Größenverzerrung, die falschen Farben, die Geruchswahrnehmung. Ihre Sinne drehten durch. Kein Wunder.
Etwas flog an ihr vorbei und sie schrie auf.
Vor lauter Schreck bog sie glatt einfach ab, weg von dem was auch immer es gewesen war. Ihre Füße schlitterten und sie strauchelte vorwärts. Als nächstes flog etwas über ihren Kopf und bohrte sich vor ihr in den Boden.
»Was zum? Eine Mistgabel?«
Sie konnte nicht anhalten, aber der Stab wackelte noch immer, während die drei Zinken sich tief in die Erde gebohrt hatten.
»Was für eine Scheiße wird das?«
Kej war gänzlich unsportlich. Weshalb sie nicht damit rechnete wirklich weglaufen zu können. Aber die Alternative war, von irgendwelchen Hinterwäldnern abgestochen zu werden. Keine freudige Aussicht. Dann lieber um das eigene Leben rennen. Allerdings schien jemand etwas dagegen zu haben. Sie hörte sein Keuchen, das schwere Schnaufen.
»Bleib’ stehen, du Monster!«
Kej presste zwischen den Atemzügen hervor: »Bestimmt nicht, Arschkopp!«
Etwas hartes traf sie an der Schulter.
Sie brüllte auf und rannte weiter, wechselte erneut die Richtung und preschte einfach in eine Wiese hinein, das Knie hohe Gras kitzelte ihre Beine. Weiter hinten war ein Wald. Und es ging leicht abschüssig hinunter in der Richtung. Sie wäre ja verrückt gewesen bergauf zu laufen. Was allerdings zur Folge hatte, dass sie unkontrolliert schneller wurde. Ebenso wie ihre Verfolger. Weiteres Gerät flog durch die Gegend. War das gerade nicht ihr guter Bekannter die Mistgabel gewesen?
Bloß nicht über die Schulter umschauen und riskieren zu fallen.
Als sie endlich in das erste flachere Farngestrüpp einbrach, taumelte sie, natürlich bei ihrem Glück, durch Brusthoch gewachsene Brennnesseln. Allerdings konnte sie denen weder ausweichen noch langsamer werden. Kurz und schmerzlos ging das nicht an ihr vorbei. Ihre gewaltigen Füße trampelten die Hälfte der Stengel einfach nieder und von ihr weg. Doch der andere Teil streifte sie linksseitig.
Von ihren wütenden Verfolgern hörte sie nur noch das wilde Rufen, aber keine Gerätschaften, Steine und Stöcke kamen mehr geflogen. Kej nutzte den Moment um sich mit Händen voran an einem Baum abzufangen und einen Blick zurück zu riskieren.
»Verfluchte Scheiße noch eins!«
Die gaben ja gar nicht auf. Rund ein halbes Dutzend Kerle in flatternden Hosen und bewaffnet mit allem Langstiligem was sie in die Finger bekommen hatten, rannte auf sie zu. Und das da, war eindeutig ein Handbeil. Kej holte ungläubig Luft. Das war nicht wahr! Ihr Kopf bildete sich das nur ein.
»Da ist das Biest!«
»Schlagt ihm den Kopf ab!«
Kej verschnaufte nur für drei Atemzüge.
»Das kann doch nicht wahr sein!«
Und schon rannte sie weiter, den Vorsprung hatte sie wieder eingebüßt. Wobei es sie allein schon erstaunte, dass sie überhaupt einen heraus gelaufen hatte. Da war doch vorhin direkt hinter ihr einer dieser Bauern gewesen. Jawohl, Bauern - mit Mistgabeln rudimentär bewaffnete Bauern - die sie für ein Monster hielten! Irgendetwas lief hier gehörig schief.


Zuletzt von Admin am Di 30 Mai 2017, 18:35 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Saustall Kapitel 1   Mi 27 Jan 2016, 19:22

Erst mitten im Wald, indem es weder Wanderpfade noch Schneisen gab, hielt sie wieder an. Der Anblick der wütenden Männer die mit dem Sonnenaufgang im Rücken auf sie zugerannt kamen, hatte sich in ihr Gedächtnis gebrannt. Sie hörte nichts außer ihrem eigenen Herzschlag und ihrem Gekeuche. Verdammte Raucherlunge. Sie beschloß es gut sein zu lassen. Das musste jetzt weit genug sein. Hoffentlich.
Ihr Mund fühlte sich trocken an, die Lippen spröde, ihre Lunge sog gierig Luft ein, aus den Muskeln ihrer Oberschenkel war eine Nähmaschine geworden. Äste und Ranken hatten ihr Hände, Gesicht und Arme zerschrammt. Sie spürte, dass ihr rechter Fuß jetzt anfing zu zicken. Wollte ihr mitteilen, dass sie auf der Flucht in etwas Spitzes getreten war. Auch das dazugehörige Schienbein pochte in einem lockeren Takt vor sich hin.
»Ganz klasse.«
Endlich beruhigte sich ihr Atem. Probehalber richtete sie sich auf, lauschte in den Wald. Wind brachte Blätter zum Rauschen. Vögel sangen, ein Insekt brummte an ihr vorbei. Unter ihren eigenen Füßen knackte ein Zweig. Mehr nicht, idyllisches Spazierwetter. Kej ließ sich mit dem Rücken gegen die Borke eines Baumes fallen. Wollte aber nicht runter rutschen aus Sorge, dass sie dann ihre Beine nicht mehr würde überreden können wieder aufzustehen. Und vielleicht würde das ja noch einmal wichtig werden.
Der Kopfschmerz war noch da und zu all den Schrammen und brennenden Macken war ihre Sicht noch immer sonderlich. Sie trug doch gar keine Kontaktlinsen, wieso also wirkte ausschließlich ihre Haut grün, der Rest des Waldes aber ganz normal? Müssten nicht auch Boden und Baumstämme grün sein? Und wo war sie, verdammt noch mal? Die Wälder bei ihr zu Hause bestanden zum Großteil aus Nadelgehölz. Sie würde sicher nicht maulen, lieber diese etwas lichtere Umgebung, als der dunkle Nadelwald.
Von dem Bauernmob gab es keinen Mucks mehr, sie entspannte sich. Sie hatte es geschafft. Musste ein Bio-Bauernhof gewesen sein, die ihre Tiere geradezu altertümlich hielten und fütterten. Zudem auf moderne Trecker verzichteten und so eine olle Mistgabel tat seit Jahrhunderten denselben Dienst. Aber die unfreundliche, ja agressive Einstellung dieser Leute, sollte wirklich mal angesprochen werden. Unglaublich, so etwas. Eine arme Frau vom Hof zu jagen unter Androhung von Gewalt. Wo doch alles nur ein Versehen gewesen war.
Da ihre Muskeln jetzt nicht mehr so zitterten, wagte Kej es sich vom Baum abzustoßen und sich auf die Suche nach der nächsten Straße zu machen. Es musste ja irgendwo weiter gehen. Durst hatte sie auch und bestimmt waren die nächsten Leute auf die sie treffen würde, eher in der Lage ihre Hilfsbedürftigkeit zu erkennen, statt sie in Todesangst zu versetzen. Am allerliebsten wäre es ihr gewesen, wenn sie auf eine nette Dame treffen würde, die ganz rein zufällig eine Aspirin dabei haben würde. Das war mit Abstand der gruseligste Kater den sie je gehabt hatte. Sie war noch nie im Leben so voll gewesen, dass sie sich in einen Schweinestall verirtt hatte. Das würde eine wahnwitzige Geschichte abgeben, wenn sie erst einmal heraus bekommen hatte, wie weit sie von zu Hause weg war. Der nächstbeste Spaziergänger oder Jogger würde ja wohl ein Handy bei sich tragen.
Mehr stolpernd ab jetzt mit immer schwerer werdenden Füßen, die ihr nur umso riesiger vorkamen mit jedem Schritt, arbeitete sie sich durch das Unterholz. Sie trat dabei in einen Ameisenhaufen, die gleich darauf ihre Lanzen ausfuhren und ihre Zehen attakierten. Miniaturausgaben der bescheuerten Bauern vom Morgen. Allerdings musste sie vor den Ameisen nicht davon rennen, sonderen konnte sie abschütteln und schlichtweg weiter marschieren. Wobei Kej keine Ahnung hatte wohin sie ihr Füße trugen. Von einer Straße oder einem Weg, zum Henker, einem simplen Pfad ganz zu schweigen, war weit und breit keine Spur. Hunger gesellte sich zu Kopfweh, Schürfwunden und Durst. Und mit ihm kam die Unlust. Wenigstens konnte sie die ganze verkrustete Matsche nun abknippeln von ihrem Körper. Was es allerdings nicht besser machte, denn darunter juckte alles.
Hätte jemand sie aus der Vogelperspektive beobachtet und eine Karte besessen, er hätte aussagen können, dass sie trittsicher jeden Fluß und jeden Teich im Wald pfeilgerade verpasste. Und sich so zu verlaufen und darüber hinaus blindlings herumzustolpern war auch eine Kunst für sich.
Wahrscheinlich war, dass es schon Nachmittag sein musste. Kej hatte sich mehrere Male wahllos in andere Richtungen begeben, im Grunde nur danach gerichtet wo es ihr am wegsamsten erschienen war. Unterbrochen von Pausen auf umgefallenen Bäumen um ihren Körper zu schonen. Ihre Fußsohlen spürte sie kaum noch. Und sie hielt es für nicht weiter verwunderlich, dass sie sich immer noch in Grün wahrnahm, jetzt da ihr Kopfschmerz pochte wie ein ausgewachser Presslufthammer.
Erneut war es ihre Nase, nicht ihre Ohren oder Augen, die etwas bemerkten. Rauch, wenn sie das richtig deutete. In der Hoffnung, statt einem Waldbrand einer entsprechenden Hütte zu begegnen, versuchte sie dem Geruch zu folgen. Da war doch noch etwas? Erstaunlich wie genau ihre Nase das unterscheiden konnte.
»Fleisch!«
Eindeutig, briet sich irgendwer irgendwo in diesem verfluchten Wald etwas zu Essen. Vielleicht eine Zeltgruppe, oder so eine Erlebnisscheiße von wegen: Survial-Weekend.
»Oh bitte, lass es normale Leute sein!«
Ihre Beine beschleunigten, ohne dass sie das bewusst veranlasst hätte. Fleisch, Fleisch, Fleisch. Und dann: Stimmen!
Die letzten Schritte rannte sie wieder und fing an zu rufen, nicht dass sich noch Mal jemand bis ins Mark erschreckte.
»Haaa-llooo!?«
Wen auch immer sie gehört hatte, es wurde schlagartig still. Was Kej nicht im Mindesten interessierte. Sie rief erneut:
»Hallo? Bitte nicht schießen! Ich brauche Hilfe!«
Sie stürzte beinah in dem Versuch dem mit Pilzen überwucherten Baumstumpf auszuweichen. Im nächsten Moment preschte sie auf eine Lichtung.
»Halleluja!«
Da war das Feuer und darüber hing etwas, das mit Fell vielleicht mal ein Hase gewesen sein könnte, so dürr wie es war, vielleicht aber auch ein Eichhörnchen. Das wollte sie gar nicht wissen. Sie roch nur den Bratenduft und stürzte mit ausgestreckter Hand darauf zu. Mit einer Hand nur, den anderen Arm hatte sie fest an ihren Körper gezogen, weil ihr die Schulter noch so weh tat.

Das nächste was man laut über die Lichtung hörte war ein aus der tiefsten Verzweiflung geborenes, deftiges: »Scheiße!«
Dann tickte die Zeit kurz auf der Stelle, weil sie sich verschluckt hatte.

Noch eine Handvoll Schritte entfernt blieb das Monster stehen. Mit braunem Matsch beschmiert der schon zu gräulicher Farbe getrocknet war, um sich im Wald besser tarnen zu können, hinkte es einfach dreist in ihr Lager. Mit deutlich menschlicher Stimme hatte es schon von Weitem auf sich aufmerksam gemacht. Sie hatten es richtigerweise einem Notruf zugewiesen. Der blond gelockte Kerl hatte seine Tasche gegriffen, in denen er die Utensilien wie Stößel, Mörser und Verbände aufbewahrte. Beinahe wären sie der um Hilfe Rufenden entgegen geeilt. Doch nun sah das anders aus.
Yoannis, der blonde Heiler, klappte den Mund auf und seine Tasche rutschte ihm aus den Händen.
Nicht alle Männer ihrer Gruppe waren spontaner Lähmung erlegen. Drei von den Vieren richtete sich neu aus. Ein Hühne von über zwei Metern hatte sein Schwert unlängst in der Hand gehalten, bereit etwaige Waldbestien wie Schrate oder Wölfe davon abzuhalten die um Hilfe schreiende Frau anzufallen. Jetzt richtete er das spitz zulaufende Ende seines Gassenhauers direkt auf den Brustkorb des Ungetüms. Allein seine enorme Reichweite des Arms addiert mit der Länge der Klinge war beeindruckend genug, dass das Wesen erschrocken den vorgestreckten Arm hoch riss vor ihr Gesicht.
Und das war noch nicht alles. Seitlich schnitt nun ein Mann in schwarzem Leder mit einer Kapuze den Fluchtweg ab, seine rechte Hand war erhoben und er hielt ein Wurfmesser zwischen den Fingern. Er wartete nicht, was passieren würde, riss den Arm zurück und ließ ihn nach vorn schnellen. Das Ungeheuer entging dem gut gezielten Wurf nur, weil es auf den Hintern plumpste. Es merkte gar nichts von dem beinah tödlichen Messer, als es mit der einen Hand versuchte sich abzustützen um wieder hoch zu kommen.
In den Augen der Bestie ließ sich deutlich ablesen, dass es bereits ahnte, hier nicht lebend heraus zu kommen. Dennoch wandte es sich der verbliebenen Seite zu und versuchte auszubrechen.
Doch diesen Ausweg machte ein Blitz dicht. Steine und Dreck flogen auf, als das magische Geschoss in den Boden fuhr und eine kleine Rauchsäule hinterließ, die sich sofort verzog. Nun wieder auf den Beinen torkelte das Monster nach hinten.
»Nein!«
Der Große mit dem Schwert senkte dieses leicht und legte den Kopf schief.
Keiner der Männer hatte bisher ein Wort gesprochen. Yoannis legte dem Schwertkämpfer die Hand auf den Arm.
»Halfdan? Was geht hier vor?«
Der schmutzige Ork entging einem zweiten Wurfmesser, wieder durch Zufall, weil er unkontrolliert schwankte. Dem Werfer entfuhr ein ungeduldiges: »Halt still!«
Diesmal hatte der Ork es bemerkt und drehte sich im Kreis um dem in schwarz gekleideten Mann einen bösen Blick zuzuwerfen.
»Lass den Scheiß, verdammt, das geht noch ins Auge!«
Schon hatte der Schurke ein drittes Messer gezückt.
»Vorzugsweise in deines.«
Halfdan und Yoannis verfolgten die Worte und die Schwertspitze traf den Boden. Der Krieger lehnte sich auf die Parierstange und warf einen Blick hinüber zu dem Mann, der bisher noch nichts weiter getan hatte, als mit seinem Zauberstab einen kontrollierten Blitz zu verursachen, dem der Ork ausgewichen war. Zu dem Zauberstab gehörte eine saubere hellblaue Robe und ein junger Mann der sich darin sichtlich wohl fühlte. Er kam langsam näher und hatte seinen Stab an den Mund gelegt.
»Raoul!«
Der Schurke zuckte zusammen wie unter einem Schlag, ließ aber den Angreifer nicht aus den Augen. Halfdans Stimme wurde ruhig: »Warte.«
Raoul dachte gar nicht daran und holte erneut aus. Der Ork winselte und warf sich herum um in die Richtung zu flüchten, aus der er gekommen war. Doch das Messer wurde nicht geworfen.
Abrupt verwarf der Ork die Fluchtidee denn er sah sich Auge in Auge mit einer Pfeilspitze konfrontiert. Die gelbe Farbe in den Augen des Orks schien abzudunkeln zu einem Bernsteinton. Dann schnellte der schielende Blick vom Metall über den Holzschaft. Hinter Bogen und gespannter Sehne starrten Augen zurück die vor grimmiger Entschlossenheit Schwarz wirkten.
Der Ork hob seine gesunde Hand und wich einen Schritt zurück, im Rücken wohl wissend wer da noch alles bewaffnet stand. Der Bogenschütze setzte ein fürchterlich verzerrtes Grinsen auf: »Kluges Schwein! Auf diese Distanz hat mein Bogen nämlich eine erstaunlich durchschlagende Wirkung.«
Die Pfeilspitze bewegte sich auffordernd.

Jetzt reichte es.
»Schwein?!« Kej stemmte die erhobene Hand in die Hüfte: »Du tickst doch nicht ganz sauber!« Sie wich erneut einen Schritt zurück, als sie hörte wie die Sehne knirschte. Sie schluckte, aber fand dann wieder Mut. Sie hatte keine Chance, also bestand ihre einzige verbliebene Möglichkeit darin, wenigstens aufrecht stehen zu bleiben bis es vorbei war.
»Habt ihr sie noch alle? Ich habe euch nichts getan und ihr wollt mich gleich kalt machen?«
Sie merkte wie der Blick des Schützen an ihr vorbei fiel. Sie wollte lieber gar nicht wissen, was hinter ihrem Rücken gerade für Zeichen gegeben wurden. Da der Pfeil aber wieder näher kam, wich sie einen weiteren Schritt zurück. Jeden Augenblick würde sie die Schwertspitze im Rücken haben. War es Mord, wenn man jemanden mit vorgehaltenem Pfeil dazu zwang rittlings in ein Messer zu laufen?
»Ich habe noch nie einen Ork in ganzen Sätzen sprechen hören.«
Kej blickte nun doch über die Schulter. Zu ihrer Erleichterung sah sie, dass drei Männer hinter ihr standen und ihre Waffen gesenkt hatten. Aber andererseits:
»Ork?« Sie keuchte.
Na bravo. Die örtliche Gruppe von verschrobenen Idioten, die im Wald mit Polsterwaffen den Schaukampf probten. Das war GUT. Denn Larper hatten sicher in der Nähe ein Auto stehen und ihre Handys dabei. Wer dem Hobby  Live-and-Action-Role-Playing-Games nachging, war meist von dem Schlag Menschen, der sehr umgänglich und hilfsbereit war. Das war gut, dann dachten sie jetzt nur, sie wäre in Verkleidung und sie wären alle noch ’In-Time’.
Die verletzte Hand wollte sich nicht so richtig zur anderen Hand bewegen um das Stoppzeichen zu gestikulieren. Also verschränkte Kej ihre Arme vor der Brust über Kreuz, das musste ihnen ja allen ein Begriff sein, dass sie nicht spielte und Regeltechnisch gerade nicht sichtbar für sie war.
»Ihr habt mich echt erschreckt. Aber ich bin wirklich froh euch zu sehen. Könnt ihr grad mal so tun, als ob Pause ist?«
Sie drehte sich furchtlos vom gespannten Bogen fort und dem Baskettballspieler zu.
»Ernsthaft. Ich habe mich im Wald verlaufen und könnte wirklich eure Hilfe gebrauchen.«
Die drei Männer, der Hühne geflankt von den beiden Kleineren hob die Augenbrauen.
Ehe er zu einer Antwort ansetzen konnte sprang von der Seite dieser Dämlack heran und rammte Kej sein Knie in den Rücken. Noch bevor sie wusste wie ihr geschah, sackte sie in die Knie vor ihm und er riss an ihren Haaren, zwang sie den Kopf zurück zu legen und etwas Kühles drängte sich an ihre Kehle.
»Kein Wort mehr!« zischte er gefährlich und Kej konnte mit absoluter Sicherheit sagen, dass das was da an ihrem Hals war kein Plastikdolch war.
Sie tat das einzige was ihr Körper jetzt noch für eine logische ausführbare Reaktion hielt. Sie verdrehte die Augen, schloß sie dann und ihr Körper sackte nach hinten gegen den Mann. Die Klinge rutschte ab ins Nichts und der hinterhältige Kerl sah auf sie hinab, bis ihr Kopf auf dem Moos aufschlug.

»Toll. Und jetzt?«
Die Bogensehen entspannte sich. Den Pfeil nahm Tarje herunter und steckte ihn zurück in den Köcher. Er schüttelte seinen Arm aus und trat neben Raoul.
»Du hast es zu Tode erschreckt!« Seine Hand klopfte dem Schurken beglückwünschend auf die Schulter.
Raoul zog die Stirn kraus.
»Wann sind die Orks denn so weich geworden, die kämpfen doch sonst noch mit hervorquellenden Eingeweiden und abgeschlagenen Händen?«
Yoannis drückte sich an dem Krieger vorbei und kam näher. Seine erste Vermutung äußerte er laut: »Ich glaube es ist ein Weibchen.«
Hinter ihm räusperte sich der Robenträger:
»Ich gebe dir Recht, Priester. Der Kleidung nach zu urteilen und der Stimmlage nach, auch wenn diese rauchig klingt, dürfte es eines der seltenen weiblichen Exemplare sein.«
Raoul spuckte und traf nicht unbeabsichtigt die Hand der Orkin.
»Um so besser, wenn wir ihre Weibchen töten, können sie weniger Orkwelpen werfen!«
Er war schon dabei in die Hocke zu sinken und sein Messer den nötigen Schnitt vollziehen zu lassen.
»Warte, Raoul!«
Der Krieger zog die Spitze seiner Klinge aus dem Boden und kam nun auch näher. Der Zauberstab schwingende schloß sich an. Zu Fünft umstellten sie die ohnmächtige Orkin und debattierten weiter.
»Sie redet komisch.«
»Lustig komisch oder merkwürdig komisch?«
»Wen interessiert wie es redet? Vielleicht sind noch mehr in der Nähe und das war das Ablenkungsmanöver.«
Der Bogenschütze nickte und zog sich zurück: »Ich werde das prüfen.«
Tarje nickte: »Tu’ das. Und nimm Raoul mit!«
Der Schurke kam hoch: »Was? Aber...« Er deutete mit dem Dolch auf sein Opfer.
Der Krieger wies mit ausgestrecktem Arm von sich weg. Befehl war Befehl. Der Heiler indessen wandte sich ab und holte seine fallen gelassene Tasche herbei: »Ich glaube hier stimmt etwas nicht. Und ich meine damit nicht, dass wir gleich überfallen werden!«
Der Krieger nickte: »Cranius? Sagt dein schlaues Buch etwas über die Intelligenz von weiblichen Orks oder über, keine Ahnung, verwandelte Orks?«
Zuversichtlich verstaute der Magier seinen Zauberstab in die dafür vorgesehene Tasche an seiner Robe und holte vom Gürtel das Beutelbuch hoch: »Mal sehen. Aber das kann ich dir schon sagen: Eine Prinzessin ist es nicht. Eher ein Bauerntrampel, hat überhaupt kein Benehmen!«
Man hörte ein Aufseufzen seitens des Anführers: »Schau’ nur nach, ob es Hinweise darauf gibt, dass das kein Ork sein könnte.«
Mittlerweile kniete Yoannis neben der Orkin und rollte sie auf den Rücken. Er empfand Mitleid.
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BeitragThema: Re: Saustall Kapitel 1   Mi 27 Jan 2016, 19:22

>>> (Rest) <<<
Aber jetzt war Kej ja da. Sie war einen langen Weg gekommen. »Ich habe Hunger.«
»Ich auch.«
Der Mann in der Kutte heilte grad die Orkin. Die mit dem Satz: „Und so bin ich euch in die Arme gelaufen!“ angefangen hatte. Und mit der gerade gegebenen Bekundung ihre Zusammenfassung abgeschlossen hatte.
Der Priester zuppelte das Kleid aus Fell und Lederstück-Fetzen herunter. Dieses Kostüm spottete jeder Beschreibung. Nun hätte Yoannis die grüne Frau gefragt, sie hätte ihm gern gesagt, dass sie auch einen Kettenhemdbikini vorgezogen hätte, dann aber sicher jetzt alle hier blind wären.
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BeitragThema: Re: Saustall Kapitel 1   Mi 27 Jan 2016, 19:22

>>> Schweinkram (unüberarbeitet) <<<
Diesen Moment nutzte Tarje, um ins Lager zurückzukehren. Wie alle andern Kerle - stellte Kej verdrossen fest - war auch dieser Mann ein ausgesuchtes Exemplar seiner Spezies. Groß, muskulös und gekleidet in Leder, das seine körperlichen Vorzüge noch mehr zur Geltung brachte. In dem Fall, den herrlichen Hintern. Die Orkin kam nicht umhin einen ausgiebigen Blick darauf zu werfen. Wie sollte sie dieses Bedürfnis auch unterdrücken, trug er doch einen Rehbock über den Schultern, während ihm das Blut des Tieres den bloßen Rücken hinab rann, über den Hintern seine Bahn zog und wahrscheinlich eine deutliche Spur hinter ihm gelassen hatte. Nachdem sie die anderen Jungs kennen gelernt hatte, fragte sie sich gar nicht erst, wo der Mann ein Hemd, eine Weste, eine Jacke oder was er sonst trug, gelassen haben mochte. Um die Hose zu halten, die ohnehin so spack saß wie an den Laib gegossen, hing ein Jagddolch. Das Werkzeug mit dem er dem Tier sicherlich den Rest gegeben hatte.
Yoannis erhob sich und lächelte: »Ah! Unser Abendessen!«
Der Jägersmann stolzierte zum Lagerfeuer, ließ sich auf die Knie fallen, das Wild rutschte nach hinten zu Boden. Den Kopf nach links und rechts rollend lockerte er seine Muskeln. Kej schmachtete ihn einen Moment lang an. Solange, bis der Blick des Mannes zu ihr hinüber glitt. Er warf ihr einen angeekelten Blick zu und wandte sich an den Heiler: »Hätte ich gewusst, dass ihr euch selber ’ne Sau fangt ....«
Der Priester rieb sich ein wenig unwohl die Hände an der Seite ab und ging zu ihm hinüber. Es dauerte eine Weile bis die Orkin verstand, dass sie gerade beleidigt worden war und man sie scheinbar für ein adäquates Stück Schinken hielt. Doch der Moment um noch als schlagfertig zu gelten, war verflogen. Sie hielt lieber die Schnauze und beobachtete Yoannis, der sich mit einem Messer bewaffnete um Tarje zur Hand zu gehen. Mit flinken Schnitten zerlegten sie das Tier am Boden. Kej schluckte, dass man hier nicht viel für Grünhäute übrig hatte, das hatte sie schon verstanden. Aber Tarjes Blick bedeutete ihr eindringlich, dass so wie er die Klinge führte, er sich dabei vorstellte sie auszuwaiden.
Der Rest der Gruppe ging seinen eigenen Aufgaben nach. Was bedeutete Halfdan rieb seinen Wetzstein über seine Klinge, Raoul flocht ein Seil und Cranius las in seinem Beutelbuch, während er sich nebenher Notizen in ein kleines in Leder gebundenes Heft machte.
Vielleicht nicht der schlechteste Momente um abzuhauen. Kej kam hoch und klopfte sich den Hintern ab. Tannennadeln rieselten zu Boden. Blöd nur, dass sie keiner Ahnung hatte wohin sie sich wenden sollte. Die Männern verrichteten ihre Arbeit im Stillen, sie fühlte sich wie ein Eindringling. Alleine würde sie hier keine Woche überleben, irgendein Dämlack würde sie versuchen abzumurksen, nur weil sie grün war. Sie brauchte eine Verkleidung oder Bodyguards. Yoannis schien bereit über ihre Hautfarbe hinweg zu sehen, ganz zu schweigen von ihren anderen Unzulänglichkeiten. Aber ob die anderen das tolerieren würden? Was hatte sie davon, wenn der Priester sich für sie aussprach? Das bedeutete noch lange nicht, dass es hier eine demokratische Abstimmung geben würde. Ihr Blick glitt herum: Nein, eher würde dieser Halfdan sie einfach einen Kopf kürzer machen und die Angelegenheit für beendet erklären.
Sie schluckte erneut: einer der die Klinge wetzte, einer der einen Spruch auswendig lernte, ein dritter der das auswaiden übte und ein vierter der ein Seil zum aufhängen knüpfte. Unruhig geworden biss sie sich auf der Unterlippe herum. »Ich bin so was von tot.«
Raoul sah auf und warf ihr einen abschätzenden Blick zu. Seinem Beispiel folgten nach und nach die anderen: »Hast du was gesagt, Sau?« ließ sich Halfdan dazu herab, das Wort an sie zu richten.
Die Orkin sah zu Boden, wie ein dummes Tier stand sie hier herum. Es ärgerte sie, doch sie wiederholte ihre Worte: »Ich habe gesagt, Scheiße verdammte, ich bin so was von tot!«
Die fünf Männer warfen sich gegenseitig Blicke zu. Cranius senkte als erster den Kopf. Schien ihm egal zu sein. Raoul brauchte gar kein Seil - seine Blicke spießten sie auch so auf. Der Ritter unterbrach sein Schleifen und stützte sein Kinn auf seine Faust. Als nächstes sah Tarje wieder weg und widmete sich seinem Tier. Yoannis rieb sich das glatt rasierte Kinn. Da er hier wirklich den netten Part abbekommen zu haben schien, forderte er sie auf: »Wieso sagst du so etwas Hoffnungsloses?«
Raoul kläffte hintendrein: »Und wieso fluchst du dabei so vulgär?«
Betroffen blinzelte Kej und hob den Kopf, ihr Gesicht verzog sich zu einer Grimasse, was Halfdan veranlasste ebenfalls die Zähne zu blecken, als hätte die Orkin ihm nur mittels Mimik eine Kampfansage gemacht.
Die Orkin pampte zurück: »Weil ich’s kann!«
Raoul erhob sich, schwang sich das unfertige Seil um den Nacken und kam auf sie zu.
Der Ritter beobachtete die Posse, unternahm jedoch nichts. Immerhin feuerte er seinen Kumpanen auch nicht an. Kej wich nicht zurück: »Ist doch wahr!« Sie verschränkte die Arme vor der Brust: »Wenn ihr mich nicht abmurkst, wird es jemand anderes tun! Ich kann keinen verfluchten Schritt machen ohne als laufende Zielscheibe herhalten zu müssen!« Sie drehte Raoul ihren Rücken zu: »Und ich bin ein ziemlich prächtiges Ziel!« Sie hieb sich selbst auf den viel zu dicken Hintern, das es klatschte. Raoul leckte sich die Lippen, durch seine Augenschlitze sprang sie regelrecht der Ärger an, dem sie ihm bereitete.
Viel kleiner als sie und doch mit einem Ego, das für Zwei gereicht hätte, bestückt, baute sich der Mann in der schwarzen Montur vor Kej auf.
»Hör’ auf zu fluchen, sonst schneid’ ich dir deine Zunge heraus!« giftete er bedrohlich und zückte ein winziges Messer. Kejs Blick fiel darauf, leider traute sie ihm zu, damit auch noch umgehen zu können und die Wahl bewusst getroffen zu haben um so einen filigranen Schnitt wie den im Mund eines viel größeren Gegners vorzunehmen. Ach was, Gegner. Sie war kein Gegner, sie war Opfer.
Doch Kej hatte nicht einmal mehr Angst, sollten die Jungs es doch bitte einfach hinter sich bringen. Sie hatte ihnen doch eh nichts entgegen zu setzen!
»Du Ferkel«, schimpfte Raoul, »wieso sollten wir dir helfen und dich dann umbringen? Beleidige uns ja nicht noch mal!«
Im Hintergrund schnaubte Tarje verächtlich: »Sie ist ein Ork! Was erwartest du, dass da eine nennenswerte Denkleistung wäre?«
»Jetzt reicht’s!« Kej stampfte mit dem Fuß auf. »Ihr dürft mich beleidigen und ich soll dann auch noch Danke sagen?« Sie drehte sich um. Masse mal Beschleunigung ausnutzend und griff ohne Vorwarnung an. Statt sich mit dem gezogenen Messer zu verteidigen, riss Raoul die Klinge aus der Bahn und empfing die Stöße ihrer Fäuste. »Glaubt ihr denn, wenn ich wirklich ein Ork wäre, würde ich freiwillig alleine hier herum laufen, als verdammte, verfluchte, verschissene Zielscheibe?« Jedes Schimpfwort ein Stoß ihrer großen Hände gegen den Körper des Mannes vor sich.
Er ließ sich zurück schubsen und ging dann auf Abstand. Kej stolperte mit Schwung nach vorn und an ihm vorbei. Halfdan rief laut: »Es reicht!« Und animierte damit Raoul ebenfalls wieder aufzumucken. Das Messer landete Spitze voran im Waldboden vor Kejs Füßen.
»Ich hol’ jetzt die Seife!«
Wie angewurzelt starrte Kej das Messer an und grummelte vor sich hin. Seife? Ja, was auch immer. Sie hatte ein neues Opfer für ihre Angriffe in Halfdan und wandte sich nun folglich ihm zu: »Ob ihr es mir glaubt oder nicht - das hier ist nicht abenteuerlustig! Wie oft soll ich es noch sagen? Ich gehöre hier nicht hin! Ich bin ein Mensch, kein Ork! Und alles was ich will, ist nach Hause gehen! Aber jeder hier scheint mich abschlachten zu wollen!«
Der Hühne erhob sich um sie zu überragen: »Halt mal die Füße still, ja?«
»Ich denke ja gar nicht daran, du ... du ... Schwarzenegger!«
Ratlos warf Halfdan einen Blick zu Cranius, anscheinend die Bildung dieses Quintetts. Der Magier schüttelte ahnungslos den Kopf.
Ihrerseits hilfesuchend drehte sich Kej in Richtung Yoannis. Aber der Mann würde ihr nicht den Rücken stärken, es war offensichtlich auf welcher Seite er stand und das war nicht ihre.
Während das Bergmassiv im Kettenhemd sie niederzustarren versuchte, ahnte sie nichts von dem tückischem Raoul. Er sprang sie von hinten an, schlang Arme und Beine um sie und schrie: »Ich habe dich gewarnt! Noch ein Fluch über deine scheußlichen Lippen und du kriegst Ärger mit mir!«
Nun, da will mal keiner kleinlich sein, aber richtigerweise hatte er ihr damit gedroht die Zunge zu amputieren. Was Kej aber jetzt sicher nicht bemängelte. Sie brüllte auf. Das Erstaunen über ihre starke Stimme stellte sie genauso hinten an wie die Tatsache, dass sie ganz schön stark war. Ihr Arm griff nach hinten, bekam diese räudige Laus zu fassen und schleuderte ihn mir nichts dir nichts nach vorn. Im Flug trat Raoul sie mit dem Stiefel ins Gesicht. Zur Seite taumelnd ächzte sie gequält aber fuhr sofort herum, als Halfdan und sein Kamerad Anstalten machten sich wieder auf sie zu stürzen. Zu schnell für Kejs begrenzte Fähigkeiten und im Vergleich zu ihren Reflexen in Lichtgeschwindigkeit zulangenden Händen. Eine Hand griff sie am Oberarm, eine andere verdrehte ihr den zweiten auf den Rücken und etwas trat ihr in die Kniekehle. Sie fand sich sodann am Boden wieder, erneut. Eine Hand packte sie grob in den Haare und riss ihr den Kopf nach hinten, auch das kannte sie ja schon. In Ermangelung an Alternativen schnappte sie nach dem Arm. Und da war er. Ein riesiger Block rosa Seife.
Um Hilfe krähen hätte ihr ja nichts gebracht, daher verlegte sie sich lieber auf andere Weisen, drehte den Kopf zur Seite um zu fauchen: »Lasst mich los!«
»Kannst knicken!« war die einzige Antwort die sie erhielt und das milchige Ding wurde gegen ihren Mund gepresst. Der Druck war unangenehm stark und sie befürchtete ein paar Zähne einbüßen zu müssen, daher sperrte sie die Kiefer auf. Widerlicher Geschmack erfüllte beinah sofort ihre Zunge. Raoul schob das Stück unerbittlich tiefer und zog es ihr über die unteren Zähne wieder heraus. Ihre Schneidezähne formten hübsche Rillen in den weichen Brocken, an ihren Zähnen klebten die abgeriebenen Rückstände. Aber ehe sie ausspucken konnte, was sie herzhaft versuchte, griff Raoul um. Er packte ihre Nase, kniff zu und schüttete der völlig verdutzten Orkin Wasser über Mund, Nase und Kinn. Ein guter Schuß fand hinein, ehe sie die Lippen schließen konnte. Während Kej noch verzweifelt daran dachte jetzt nur unter keinen Umständen zu schlucken, fing die Seife an sich aufzulösen.
Es lag aber anscheinend gar nicht in Raouls Sinn, sie mittels Lauge zu vergiften, denn er forderte: »Ausspucken!« Das tat sie nur zu gern, als er ihre Nase losließ. Der Griff um ihre Arme lockerte sich magnial, damit sie sich vorn über beugen konnte. Sie spuckte und spuckte und spuckte. Zog so viel Speichel zusammen wie es ging und noch immer hingen Seifenflocken in ihrem Mund.
»Nun«, Halfdan ließ sie los, »Lektion gelernt, will ich hoffen.« Er stupste sie in die Seite und wie erwartet quiekte sie auf. »Wenn ich sage es reicht, dann reicht es auch, klar?«
Beide Hände vorgereckt, rupfte die Orkin dem bösen kleinen Mann den Wasserschlauch aus der Hand und schüttete mehr Wasser in ihren Mund. Sie gurgelte heftig und spuckte aus. Halfdan vor die Füße. Sie durfte es ja vielleicht nicht sagen, aber die Geste würde er auch so verstehen.
Dann leerte sie den Schlauch ganz und ließ das Wasser in ihrem Mund rollen, blähte die Backen und versuchte mit der Zunge alles was noch an den Zähnen hing weg zu streichen.
Erneut spuckte sie und machte laut: »Bäh-hä-hä!« Sich umsehend nach noch mehr klarem Wasser drehte sie sich mit heraus hängender Zunge im Kreis. Raoul feierte sich als Überlegener und deutete in den Wald: »Da hinten ist ein Bach. Nicht nur deine Zunge, dein ganzes stinkender Körper könnte ein Bad vertragen!« Vom Lagerfeuer ließ sich der Jäger vernehmen: »Ja, vielleicht bist du gewaschen ja umgänglicher und ein angenehmerer Gast!«
Sie rollte die Zunge ein: »Ich stinke nicht!« behauptend.
Die Seife wurde in der Faust bedrohlich geschüttelt unter ihrer Nase: »Gehst du freiwillig?«
Sie langte zu und quetschte Raoul das Handgelenk: »Wag’ es nicht einmal!« Zeternd stapfte sie in die angewiesene Richtung. »Maden. Dreckskerle. Bastarde. Arschlöcher!«
»Ich kann dich hören!« rief Raoul ihr nach.
Sie blieb stehen, zog den Kopf ein und knurrte: »Und ich dich nicht ausstehen!«

Da es um ihre Orientierung nicht so gut bestellt war, kraxelte Kej die Böschung wieder hoch und spazierte munter in die falsche Richtung davon. Sie hatte das klare kalte Wasser genutzt um ihr Gemüt herunter zu kühlen und die Gelegenheit ergriffen, den Rat zu befolgen und sich zu waschen und den Durst zu löschen. Leider hatte sie sich eingestehen müssen, dass sie noch so vehement behaupen konnte, sie würde nicht stinken, aber Raoul Recht hatte, sie roch nach Modder, Dung und Essensrestenpampe. Ganz zu schweigen von Schweiß. Die einzige Rache die ihr einfallen wollte war, den Klumpen Seife dabei zu einem winzigen Schnitz abzunutzen. Was hätte sie nicht für eine Tube ’SchuppenEx’ gegeben in diesem Moment. Die Seife machte ihre Haare stumpf, aber wenigstens bekam sie allen Unrat hinaus. Ihre Haut juckte und ihre Glieder waren ganz taub vom Wasser. Da sie kein Handtuch gehabt hatte und sich kräftig schütteln nicht wirklich viel brachte, setzte sie sich in den Flecken Gras, an den das Sonnenlicht fiel und wartete bis sie einigermaßen trocken war. Mit wenig Lust hatte sie ihren Haufen Kleidung betrachtet und fest gestellt, dass wohl die beiden Worte: Kleidung und Dung nicht von ungefähr verwandt waren. Aber für diese zerschlissene Möchtegern-Montur hatte sie nun wirklich keine Geduld oder Seife mehr übrig gehabt.
So hüllte sie sich einzig in das Fell und stapfte den Arm voll stinkenden Fetzen zurück. Erreichte das Lager aber nicht. Stattdessen wurde sie auf etwas anderes aufmerksam. Genauer gesagt auf jemanden. Sie hörte Stimmen und hielt darauf zu, in der Annahme es handele sich um die Gruppe Recken. Traf sie dann jedoch, lautstark fluchend, aufgrund der spitzen Tannennadeln die ihr in die Ferse zwackten, zwar auf zwei der Herren, jedoch in einer nicht gerade wenig kompromittierenden Lage.
Tarje stand mit beiden Armen abgestützt an einem Baumstamm und reckte den Hintern heraus. Seine Hose war nirgends zu sehen. Ein Eimer stand neben den Wurzeln und war umgekippt. Im Gegensatz zur Orkin kam er anscheinend mit viel weniger Volumen aus um sich die Sauerei vom erlegten Reh abzuwaschen. Hinter ihm stand Yoannis aufrecht, ihn in der Hüfte gepackt, die Robe hoch gezogen. Und was die beiden da taten war kein kleines ’Könnte irgendwie so wirken als ob’. Es war daran nichts falsch zu verstehen, wie der Priester sein Becken vor und zurück bewegte. Ganz davon abgesehen, dass Tarjes rote Wangen und sein Stöhnen mehr erzählten als tausendfünfhundert Worte es gekonnt hätten.
Als Key die beiden so überrumpelte, da schoß ihr jedoch nur eins in den Sinn: Diese Röte stand dem Jägersmann hervorragend gut!

Dicht gefolgt von einem: »Och nö!« - Da landete man schon mal in einer parallelen Märchenwelt voller muskulöser Prinzen und tapferen Helden, die alle aussehen wie Mister Universe und dann waren sie natürlich was? - Schwul!  Das war nicht fair!
Letztere lauten Worten veranlassten Yoannis dazu sich über die Schulter umzublicken zu ihr. Tarjes Augen blieben geschlossen und er rieb seine Wange an die Borke. Der Priester besaß die Dreistigkeit ihr ein Lächeln und ein Zwinkern zuzuwerfen, dann drehte er sich einfach wieder zurück, strich über den entblößten gebräunten Rücken vor sich und stieß munter weiter, seinem Gefährten tiefe zufriedene Laute zu entlocken.
Purzelnd landeten alle Lederfetzen auf dem Boden, als Kej ihre Hände vor den Mund gerissen hatte. Ihre Stimme hatte sie selbst mehr überrascht, als die beiden. Was ja nicht schwer war, denn die Herren ließen sich kein Stück stören von ihr. Sie rechnete damit, dass die beiden auseinanderfahren würden, schamvoll ihre Blöße bedeckten und sie anflehen würden, niemandem etwas zu sagen. So reagierten die Leute doch, wenn man sie auf diese Weise erwischte, oder nicht?
Noch etliche Stöße später stand Kej wie angewurzelt und beobachtete das Paar. Schnell wurde immer klarer, dass sie keinerlei Notiz von ihr nahmen. Schließlich glitt sie in die Hocke und sammelte ihre Sachen zusammen, warf noch einen Blick zurück und stellte fest, dass Tarje ihr nachsah, in seinen Augen spiegelte sich nichts als entrückte Lust. Er bog sich zurück und versank in einen tiefen Kuss mit Yoannis. Kej presste die Lippen aufeinander und wich nickend zurück.
Auf denn, sie schlug eine andere Richtung ein, ließ die Fetzen hinter sich her über den Boden streifen, riss einen Farn halb mit der Wurzel aus dem Boden und schlug damit lustlos um sich und gegen Baumstämme. Was für eine beschissene Welt, echt mal!
Hätte sie hier nicht irgendwie als Supermodel heraus kommen müssen? Als Xena, mit Multitalenten im Kampfsport, Geheimwaffenarsenal und Zaubersprüchen - alles gleichzeitig und dabei sowohl in Rüstung als auch im Ballkleid eine tadellose Figur abgebend? Was bitte war hier schief gelaufen? Es fuchste sie ungemein, dass die Jungs alle aussahen wie Striptease Tänzer und sie keine Chance hatte auch nur einen von ihnen schöne Augen zu machen. Denn dafür hätte sie erst einmal schöne Augen haben müssen! Sie warf das Gebüsch ins Gebüsch und betrachtete ihre grüne dicke Orkhaut auf dem Handrücken und ihrem Unterarm. Sie fand sie sah aus wie ein Krokodil, ledrig und rau - niemand wollte es streicheln, nicht einmal sie selbst! Sie fuhr sich mit den Fingern über die eigene Wange. Höcker, Wülste, Pickel ... Tränen stiegen ihr in die Augen. Ganz zu schweigen vom Rest ihres Körpers, den sie in seiner ganzen schrecklichen Pracht gerade im Bach sauber geschrubbt hatte. Was auch immer mit ihr geschehen war, wer oder was auch immer dafür verantwortlich war, sie in diesen Körper gesteckt zu haben, alles war furchtbar! Sie hatte riesige hängende Brüste, bis zum Bauchnabel in dem eine Warze wucherte, mit Warzenhöfen Handtellerbreit, die Nippel sahen aus wie (...), aber das reichte ja noch nicht, nein, sie waren auch noch unterschiedlich groß und lang. Ihr ganzer Körper war übersät mit Pickeln und Unebenheiten, Zellulitegräben und Runzeln, ihr Hintern breit genug um in jeder Rutsche stecken zu bleiben. Von Oberschenkel und Oberarmumfang ganz zu schweigen. Sie war kein Stück trainiert, aber konnte es locker mit Halfdan an Masse aufnehmen, nur dass der zwei Meter Hühne dabei ausah wie Conan und nicht wie nen grenzdebiler Holzfäller. In Kejs Augen sammelten sich Tränen der Verzweiflung, das war nicht gerecht. Als sie im Gras gesessen hatte, hatte sie sich die eingewachsenen dicken gelben Zähennägel abgeknibbelt und die Hornhaut versucht mit einem Stein weg zu katzen. An Ellenbogen und Kniegelenken juckte es noch immer von der Seife, sie glaubte, dass sie irgendwie allergisch auf eine Substanz reagierte. Womöglich einfach nur Ringelblumenöl oder so was, wer wusste schon, was die hier in dieser Welt in die Lauge mischten?! Das einzige, womit sie hier keine Probleme hatte, waren ihre Zähne, die schienen intakt und ohne Karieskrater auszukommen. Aber was half ihr das, wenn sie genau wusste, dass die Zähne trotzdem zu groß waren, ihre Hauer sich nach außen schoben und zwischen den Lippen hervorlugten? Und von ganz anderen Kraterlandschaften ganz zu schweigen. Gut, dass die Wasseroberfläche nur einen unzureichenden Spiegel geboten hatte, sie hätte den Anblick nicht ertragen. Weder den in ihrem Gesicht, noch den zwischen ihren Beinen, das war das reinste Maul da unten, nur dass die Zähne fehlten. Und dieses tollkühne Gestrüpp was da überall wuchs - überall, in der Arschritze, zwischendurch nach vorn hinauf bis beinah zum Bauchnabel - sie fragte sich dabei nur, wie es angehen konnte, das ihre Beine und Arme völlig frei waren? Dabei hieß es doch weibliche Zwerge wären behaart wie ihre männlichen Partner und eine Unterscheidung kaum möglich! Von Orks hatte sie so etwas noch nie gehört, aber wer machte sich schon die Mühe und sah sich Orkinnen genauer an? Abstoßend, traf es dabei noch glimpflich.
Sie kehrte weinend ins Lager zurück. Dabei hatte sie noch nicht einmal ihre Unzulänglichkeiten-Liste fertig gestellt. Da sie als Grünhäutige schlecht erröten konnte, wirkten ihre Wangen wie Purpur. Die verbliebenen Kerle wandten sich ihr zu.
Allen voran Halfdan: »Hast du lange gebraucht!« vorwurfsvoll, dann jedoch sofort verstummend.
Rotzschleim hochziehend bis ins Gehirn wischte sich die Orkin die Augen: »Lass mich!« schnauzend. Sie trampelt hinüber zum Lagerfeuer und warf die Fetzen in die hungrigen Flammen.
Cranius, der direkt daneben saß und immer noch seine Nase im Buch hatte, sprang kurz darauf auf und stürzte davon in Richtung Bäume um zu würgen. Die verbrennende Kleidung verbreitete einen üblen Gestank. Kej schmollte, war nicht ihr Problem und riechen tat sie ja auch nichts. Raoul stand mit verschränkten Armen leicht abseits, während der Anführer sie musterte: »Alles in Ordnung?« Kej warf dem Schurken den Rest der Seife vor die Füße in das platt getrampelte Gras. Er bemaß es mit einem Blick und stiefelte dann einfach darüber und auf seinen Rucksack zu.
Kej wies mit dem ausgestreckten Arm auf ihn: »Wehe du holst mir ein neues Stück Seife, ich schwöre dir, ich ...« Sie verstummte.
Mit einem gleichmütigen fragenden Blick hob er etwas hoch, was aussah wie ein Nachthemd. Er sah die Orkin schluckten und brachte ihr das Leinen: »Eins von Halfdans Hemden«, gab er zu und hielt es ihr auffordernd hin. Denn in seine Wäsche hätte sie nie im Leben gepasst ohne unfreiwillig Tanga zu tragen und wie Presswurst auszusehen.
Statt jedoch das Angebot anzunehmen, lugte die Orkin um den Mann herum und grunzte, einen Laut, den sie mit der Nase im Gesicht hervorragend hinbekam: »Sag’ jetzt bitte nicht, du und Halfdan seid auch schwul?!« Wenn der schwarz Gekleidete schon das Hemd des Barbaren mit sich führte und Nachts womöglich drin kuschelte. Halfdan runzelte die Stirn und Raoul sah sich um. Das Hemd flatterte in einer leichten Brise und trug das Geschimpfe des Magiers zu ihnen hinüber, der sich anschickte seinen Mund mit einem Schluck Wasser auszuspülen.
»Was ist schwul?« fragte Raoul unschuldig und ließ das Hemd dann einfach auf sie fallen.
Die Orkin zog es an sich und blinzelte: »Äh ... .«
»Zieh’ es an, frierst dir sonst noch was ab!«
Kej nickte, war aber mit der Sache noch nicht durch. »Ich habe Yoannis und Tarje versehentlich aufgestöbert.« Sie wrang das Hemd in den Fäusten. Raoul schüttelte den Kopf.
»Und?«
Kej sah zu Halfdan und Cranius. Keiner schien zu wissen worum es ging. Die Orkin biss sich auf die Unterlippe und zog es vor zu schweigen. Wahrscheinlich bezeichnete man hier die Liebe zwischen Männern nicht als schwul, sondern einfach anders und anscheinend wussten die hier nicht, dass ihre Kameraden es gerade lustig leicht miteinander trieben. Sie stand wieder auf: »Ich, ehm ... werde mich ... umziehen.« gab sie bekannt und zog sich zurück um hinter ein paar Bäumen Sichtschutz zu suchen.
Sie hatte nicht damit gerechnet das Raoul ihr hinterher kam. »Kein Grund, sich zu schämen!« Er schnitt ihr den Weg ab.
Sie knurrte ihn an: »Schon mal was von Privatsphäre gehört?« Der Mann grinste verschlagen: »Ich hab’ dich den ganzen Tag am Bach beobachtet, jetzt kannst du dich auch im Lager umziehen! Gibt nichts mehr, dass ich dir weggucken könnte!«
Im nächsten Moment flog der Mann durch die Botanik und landete in einem Strauch Brennnesseln. Schreiend kam er daraus hervor und hüpfte herum. Seine Kluft hatte zwar das Schlimmste verhindert, aber Gesicht, Hände und Nacken waren von den Blättern gestreift worden.
Vor Wut schnaubend senkte Kej ihre Hand, mit der sie den impertinenten Kerl wuchtig geschlagen hatte. Raoul pustete auf die sich schnell rötende Haut. Kej verfolgte ihn mit bösen Blicken und blieb unterwegs an Halfdan hängen. Der große Krieger presste die Lippen heftig aufeinander und grinste um nicht laut prustend zu lachen. Das machte Kej noch wütender: »Feine Herren seid ihr mir!« Sie taxierte Halfdan: »Ihr seid nichts als ein Haufen widerlicher Mistkerle!«
Raoul schrie: »Ich hab’ auf dich aufgepasst! Die ganze Zeit! Was machst du für ein Drama daraus?«
Wenn es überhaupt ging, wurde Kej noch dunkler vor Zorn: »Pass aus der Ferne auf!«
Raoul tunkte seine Hände in eine Schüssel mit Wasser, die er eilends befüllt hatte, indem er Cranius den Beutel entrissen hatte. Er wandte sich an Halfdan, indem er um den Baumstumpf, auf dem die Schüssel stand, herum rannte: »Ich bring’ sie um! Egal was du sagst!«
Kej stampfte mit dem Fuß auf: »Komm’ her und trau’ dich doch!« Ihr fiel ein Satz ein, den sie schon immer einmal hatte sagen wollen in voller Inbrunst: »Ich verpass’ dir nen Satz heißer Ohren, dass du denkst Bud Spencer ist mein Daddy!« Denn Bud Spencer toppte alles! Na gut, gerechterweise Bud und Terence Hill, aber das wussten die Deppen hier ja nicht!
Sie wusste da noch nicht, dass die Jungs sie beim Wort nahmen und sie seitdem für ’Kej - Tochter des Bud Spencer’ hielten und den Schauspieler demnach für einen Ork. Erst viel später würde sie versuchen den Kerlen zu erklären, warum man ihn ’Mücke’ nannte.
Aber jetzt gerade, knurrten Kej und Raoul sich nur an und wollten am liebsten beide dem anderen an die Gurgel. Was Halfdan geschickt zu unterbinden wusste: »Kej, zieh’ dich endlich um. Bei Gelegenheit beschaffen wir dir eine Hose oder einen Rock, aber solange wirst du wohl etwas luftig herum laufen müssen.«
Die Orkin knurrte nun ihn an, aber nickte: »Das werde ich schon irgendwie aushalten, solange der da sich nicht auf den Boden legt um mir zwischen die Beine zu glotzen. Spanner!«
Die Wasserschüssel rappelte: »Ferkel!«
Als sie sich zurückgezogen hatte und das saubere weite Leinen anzog war ihr schon wieder zum Heulen zu Mute. Was tat sie denn hier? Hatte sie sich gerade nicht noch darüber mokiert, dass sie, solange sie in dieser Welt gefangen war, nicht einmal flirten konnte, weil keiner etwas von ihr wollen würde? Und nun wies sie selbst neckische Frotzeleien zurück? Hatte Raoul nicht indirekt zugegeben, dass er sie beobachtet hatte? Hatte er etwa auch nur ein abfälliges Wort über sie verloren? Seufzend streckte sie die Hände in die Luft und testete wie hoch das Hemd rutschte. So grad eben, sie musste sich mit äußerster Umsicht bewegen, sonst entblößte sie sich jedes Mal, wenn sie sich bewegte! Wie unangenehm. Seufzend kam sie ins Lager zurück.
Raoul drehte ihr demonstrativ den Rücken zu, während Halfdan ihr zuwinkte. Sie ging hinüber zu ihm.
»Also, Ork.« begann er förmlich: »Wir sollten mal Tacheles reden.«
Kej nickte.
»Ich glaube dir.« Kej sah ihn überrascht an, als sie etwas sagen wollte schnippte er mit den Fingern: »Scht!«
Kej nickte.
»Du bist nicht ganz dicht und nicht normal, aber kein Ork!«
Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Heftig nickend machte sie: »Das sagte ich doch!«
»Scht!« schnippte Halfdan. Key gehorchte. »Also. Solange du bei uns bist, garantiere ich dir, dass keiner«, er wurde lauter, »KEINER«, und wieder leiser, »dich versuchen wird umzubringen.«
Raoul machte leise: »Tz.«
Key nickte.
»Du hälst dich an meine Regeln und wir werden sehen, was wir für dich tun können!«
Key ...
»Versprich’ es!«
Die Orkin platzte: »Versprochen!«
Zufrieden legte Halfdan ihr eine Hand auf die Schulter: »Wir nehmen andauernd ominöse, kuriose, gefährliche Aufgaben an! Du wärst nicht die erste verwunschene ... ehm ... »
Von der Seite warf der Magier hilfreich ein: »Maid.«
»Wohl eher Schankmaid.« kam es von der Wasserschüssel.
Kej blökte: »Unqualifizierte Beiträge aus dritter Reihe nach der Aufführung, ja?!«
Raoul knurrte und betupfte sich das brennende Gesicht.
Dann wandte sich Kej wieder Halfdan zu und grinste ihn dankbar an.
»Regel Nummer Eins«, machte er theatralisch und packte sie an den Oberarmen, drehte sie und stieß sie auf Raoul zu, »du machst KEINEN Schritt ohne einen von uns in Sicht- und Hörweite.«
Kej verging das Grinsen und sie sah Raoul an, der nun seinerseits fies lächelte.
»Nummer Zwei«, erklang es hinter ihr und ein Brocken von Hand klatschte ihr auf die Schulter: »Entschuldige dich bei Raoul!«
Fassungslos blieb der Orkin der Mund offen: »Watt?«
Raoul schnaubte verächtlich und schnalzte.
»Drittens!« machte Halfdan, kam um Kej herum und wuchtete seine andere Hand auf Raouls Schulter: »Raoul wird ab jetzt deine permanente Wache!«
Dem Schurken fiel alles aus dem Gesicht, Kej machte laut: »Ha Ha!« dann merkte sie, dass das eine völlig bekloppte Regel war.
Der Anführer fügte hinzu: »Ihr zwei versteht euch prächtig und es wird euch beiden nicht schaden!« Mit den Worten drehte er sich um stiefelte davon: »Und wir haben unsere Ruhe.« Er nickte Cranius zu, der hellauf begeistert war und zustimmend lächelte.
Kej sah Raoul an.
Raoul sah Kej an.
Dann sprangen beide vor und liefen Links und Rechts, sich gegenseitig anrempelnd hinter Halfdan her.
»Das kannst du nicht machen!«
»Halfdan! Nein!«
Sie traten sich gegenseitig auf die Füße, drängelten und schoben sich fort, aber der Anführer blieb nicht stehen: »Do-hoch!« flötend.
Die Orkin blieb stehen und knurrte den Schurken an: »Das ist DEINE Schuld!«
Raoul blaffte zurück: »Seit DU hier bist, gibt es nur Zoff!« Er schubste sie. Tatsächlich rechnete er sogar mit der Retour, unterschätzte aber Kejs angestaute Wut. Zum zweiten Mal segelte er quer durch die Gegend in die Botanik. Geschickt fing er sich ab und rollte über die Schulter, als er in der Hocke saß und sich aufrichten wollte, hing seine Nase keinen Finger breit von weiteren Nesselblättern entfernt. Erleichtert stieß er ein Seufzen aus und zog sich vorsichtig zurück. Nicht noch mal!
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Kurz-Vita
Klasse: Königin
G.Juwel: Keins
Juwel: Schwarz Schwarz

BeitragThema: Re: Saustall Kapitel 1   Mi 27 Jan 2016, 19:23

>>> Nörgelkram <<<
Aber schon zückte Cranius aus seinem Rucksack, den er stets als Kopfkissen benutzte eine Schatulle. Er schüttelte sie ordentlich durch, bis Kej Nörgel hören konnte, der fluchte und schimpfte. Der Fee fristete sein Leben in diesem Kästchen und das kleine Ding war wirklich so eng wie es aussah und nicht etwa Innen geräumiger als es von außen vermuten ließ. Der Magier öffnete den Verschluß und zog den armen kleinen Kerl heraus, packte ihn an den Flügeln, wie andere Leute eine Fliege. Dann grinste er hämisch: »Nörgel! Arbeit für dich! Mach’ Feuer!«
Der Fee blinzelte entsetzt in das grelle Tageslicht: »Seid ihr bescheuert? Es ist früher Morgen. Meine Bruderschaft hat strenge Regeln! Ich streike, hört ihr! Mir ist vertraglich zugesichert einmal am Tag ...«
Seine Tirade brach, als der Gelehrte ihn heftig an den Flügeln schüttelte. Er schrie vor Schmerz, doch dann brach auch der Laut ab, weil er sich den Mund zuhalten musste um sich nicht zu übergeben. »Das muss ich mir nicht bieten lassen! Ihr behandelt mich nicht anständig!« pampte er nachdem sein Kopf aufhörte zu kreisen. Cranius ließ ihn los und der Fee fiel wie eine tote Motte zu Boden. Er klatschte ins Laub und blieb dort benommen liegen. Kej fragte sich, wieso er nicht einfach abhaute, vermutete aber es lag an dem Kästchen. Nicht einmal weil dem kleinen Wunderwesen etwas an dem Kasten lag. Sentimentalität konnte man also ausschließen, wahrscheinlicher war, dass er auf magische Weise daran gebunden war und dahin musste wo das Kästchen hin ging und tun musste, was sein Meister, in dem Fall Cranius verlangte, wie ein Dschin. Sie hasste den Magier dafür, weil er den winzigen Mann so abartig behandelte.
Der Fee rappelte sich langsam hoch und sah sich um. Als er sie erblickte glättete er seine Flügel, strich sich die Haare nach hinten und flatterte zu ihr hinüber: »Na, wenn das mal nicht meine kleine Bache ist!«
Von allen Männern hier, die sie abwechselnd Sau, Ferkel oder Wildschwein nannten um etwas Abwechslung in die Kosenamen zu bringen, war ihr die Bache am liebsten. Es klang irgendwie etwas adeliger und es war Nörgel der sie so nannte, als Einziger. Und wer bitte mochte Nörgel denn nicht? Er war der einzige hier mit einem Penis, der sie aufrichtig mochte! Sie hob eine Hand und ließ ihn darauf fliegen.
Cranius blaffte: »Nörgel! Das Feuer!«
Der Fee drehte sich um und zeigte ihm den gekrümmten kleinen Finger, die hiesige schlimmste Geste überhaupt. Sie beudetete so viel wie: Ich steck’ dir nen Haken in den Hintern und zieh mal kräftig dran - dann reden wir weiter. »Schafft erst mal Brennholz her!«
Das bot sich gerade an, fand Yoannis: »Tarje, lass uns das Holz holen gehen.«
Wortkarg wie eh und je erhielt er ein Nicken.

In etwa die Größe eines LatteEspresso aus dem Kühlregal. In eine handelsübliche Verpackung von 250ml aus 100% Arbaica Bohnen hätte der Fee locker hinein gepasst. Der hübscheste Mann, den Kej je gesehen hatte. Ein vollkommener Mann, nur eben in Miniatur. Aber genauso hervorragend austrainiert wie die großen Exemplare. Kej hatte schon im ersten Verdachtsmoment angefangen ihr Gehirn zu durchforsten nach Bildmaterial wie gesuchmaschint. Ihr fielen etliche vergleichbare Männer ein. Aber diese hier waren in ihrer Ausprägung viel perfekter als jeder dick mit Schminke eingekleisterte Filmschauspieler. Das hier waren eher diese männlichen Topmodels. Gut, liebevoll nannte sie Halfdan Conan oder Schwarzenegger, aber er sah eher aus wie ein Dalhaus. Und Yoannis, der hatte so volle Lippen und ausgeglichene Wangenknochen wie ein Meeks.
Und mit Sicherheit rannten hier auch noch allerhand geklonte Clooneys, Pitts, Deppen und Beckhams rum. Diese Art Männer die in der Davidoff Werbung aus dem Wasser kamen, weil sie entweder aus Lost gestrandet waren oder wie DiCaprio vom Schiff gefallen um einen Umweg über den Beach zu nehmen. Cranius erinnerte mehr an einen al Gala. Kej wollten da nur noch so Attribute wie: handsome und smart einfallen. Die Kerle vereinten einfach alles was man in der Realität nur an einzelnen fand und sich zusammen denken musste wie in einer Collage. Nur, dass bildbearbeitetprogrammte Durchschnitts-Beaus mehr als nur merkwürdig aussahen und eher das schlimmste von Bieber und Glitzer vereinten.
Das hier war ein wahr gewordener Traum voller Traumtypen und deswegen konnte das ja nur ein Traum sein. Ein Albtraum für die Orkin, die schon nach einer Umdrehung nicht mehr wusste wo sie hinsehen sollte. Deshalb zog sie es vor den Feenmann anzublicken, der einzige mit dem sie sowieso nichts anfangen konnte, da er für jedes Techtel und auch Mechtel einfach zu klein war. Es kam eben auf die Größe an - und wenn sie schon mal dabei war, diese Beulen in den Hosen der normal großen Herren, ... entweder hier war alles einfach zu gut oder sie hatte die örtliche Gruppe erwischt die beim blank ziehen alle beide Händen brauchten und trotzdem nicht auskamen.
»Was guckst du denn so komisch?« fragte der Fee, er lag wie auf einem Divan in ihrer Armbeuge, die Beine lang gestreckt über ihren Unterarm und sich am Oberarm abstützend. Seine Flügel nach hinten in die Sonne gestreckt, sie vibrierten leicht, vielleicht fächerte er sich damit Luft zu.
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BeitragThema: Re: Saustall Kapitel 1   Do 28 Jan 2016, 18:41

INTERMEZZO

>>> Magier Kram <<<
Es wäre ja anzunehmen gewesen, dass wenn schon Cranius’ Buch so herausragende Fähigkeiten besaß, dass dies auch auf andere Gegenstände zutreffen mochte. Zum Beispiel Spiegel. Bedienten sich Magier und Zauberer nicht genau solcher Dinge um zu kommunizieren, wenn sie nicht gerade auf Brieftauben setzten? In dieser Welt war das anders. Wenn auch auf ihre Art ebenfalls unglaubwürdig, würde es keine Magie geben.
Die banale Lösung waren: Würfel. Dreiseitige waren die einfachste Variante. In der man sein zu Hause, den Elfenbeinturm und einen anderen Würfel erreichen konnte. Nur die willensstärksten und klügsten unter den Magiebegabten konnten Würfel benutzen die über mehr als sechs Seiten verfügten. Weshalb es für jeden Magier unabdingbar war Seite Eins mit dem Stadort des Oberwürfels zu verknüpfen.
So konnten sie an der nun eilig einberufenen Ratssitzung alle teilnehmen. Natürlich nicht alle Magier die in der Welt herum liefen. Natürlich nur die Ranghöchsten und dazu noch auserwählten Sieben. Warum Sieben, das war schlichtweg nur der Tradition geschuldet. Sie saßen rundherum um den eckigen Tisch, die Würfel - nicht die Magier an sich. Denn diese waren auf Reisen, zu Hause, auf Hausbesuch oder sonst wo. Nur herum zu sitzen im höchsten Turm hätte ihnen ja schließlich nicht viel gebracht.
Die Würfel waren weder bunt noch sonst wie in ihrer Schlichtheit unterscheidbar. Nur ein einziger Mann war in Persona im Bergmassiv anwesend. Mehr durch Zufall, denn der Elfenbeintum beherbergte die größte Bibliothek der Welt, korrekterweise, die einzige. Aber selbst dieser eine saß Stockwerke tiefer bei einem Glas Rotwein über ein paar Schriftrollen. Welch Normalsterblicher suchte schon eine Halle voller Bücher auf? Wohl kaum um zu lesen. Lesen konnten sich nur die leisten, die Zeit dazu hatten. So wie Magier.
Wobei das auch nur ein Oberbegriff war, denn um den Tisch leuchteten die Würfel nun auf und rollten sich von alleine auf der Stelle auf ihre entsprechende Seite. Es erschienen Hexenmeister, Druden, Geisterbeschwörer, Nekromanten, Alchimisten und allerhand andere Malefikanten und Zauberer. Wobei, nein das waren ja schon alles Ausprägungen.
Die Würfel erlaubten ihnen miteinander zu kommunizieren ohne sich zu sehen, aber als wären sie in einem Raum. Und so ging es immer Reihum. Wer nichts zu sage hatte, dessen Würfel blinkte kurz auf und übergab einfach an den nächsten. Dazwischen grätschen war beinahe unmöglich. Aber so unhöflich waren die Magier untereinander ja auch nicht.
Würfel Eins fing an: »Geht das hier schnell? Es gibt gleich Rehrücken!«
Würfel Zwei bis Sechs blinkten.
Würfel Sieben: »Ja. Wir werden uns schnell einigen.«
Würfel Eins: »Oh, gut.«
Würfel Zwei und Drei blinkten.
Würfel Vier: »Worum geht es?«
Würfel Fünf: »Um die rätselhafte Schwingung.«
Würfel Sechs blinkte.
Würfel Sieben: »Genau.«
Würfel Eins, Zwei und Drei blinkten.
Würfel Vier: »Hab’ nichts bemerkt.«
Würfel Fünf: »Gestern Nacht.«
Würfel Sechs blinkte.
Würfel Sieben blinkte.
Würfel Eins: »Da hab’ ich geschlafen, was war los?«
Würfel Zwei, Drei und Vier blinkten.
Würfel Fünf: »Etwas ist in unsere Welt eingedrungen. Passt ihr denn überhaupt nicht auf?«
Würfel Sechs und Sieben blinkten.
Würfel Eins: » - Räusper - «
Würfel Zwei blinkte.
Würfel Drei: »Jetzt spür’ ich es auch!«
Würfel Vier: »Ich merk’ immer noch nichts.«
Würfel Fünf und Sechs blinkten.
Würfel Sieben: »Was ist denn eingedrungen?«
Würfel Eins bis Vier blinkten.
Würfel Fünf: »Weibliche Schwingung.«
Würfel Sechs blinkte.
Würfel Sieben: »Also mit anderen Worten eine Frau.«
Würfel Eins: »Wie?«
Würfel Zwei und Drei blinkten.
Würfel Vier: »Wo?«
Würfel Fünf: »Weiß ich nicht, weiß ich nicht.«
Würfel Sechs blinkte.
Würfel Sieben: »Das lässt sich heraus finden.«
Würfel Eins bis Sechs blinkten.
Würfel Sieben blinkte.
Würfel Eins bis Sieben blinkten.
Würfel Eins: »Was ist nun?«
Würfel Zwei bis Sechs blinkten.
Würfel Sieben: »Gleich! Hetz’ mich nicht.«
Würfel Eins: »Das Essen ist gleich fertig.«
Würfel Zwei blinkte.
Würfel Drei: »Äh. Frau kann ich bestätigen, aber...«
Würfel Vier: »Was aber?«
Würfel Fünf: »Gefällt mir nicht.«
Würfel Sechs blinkte.
Würfel Sieben: »Im Westen, so viel kann ich schon mal sagen.«
Würfel Eins: »Na toll. Das hilft ja viel weiter.«
Würfel Zwei blinkte.
Würfel Drei: »Das ist merkwürdig.«
Würfel Vier: »Was ist merkwürdig?«
Würfel Fünf: »Ich bereite schon mal das Formular vor.«
Würfel Sechs blinkte.
Würfel Sieben: »Wie das geschehen konnte, werde ich überprüfen, aber die Schwingung fand nahe des schwarzen Waldes statt.«
Würfel Eins: »Das grenzt es doch schon mal ein. Warte - das ist ja bei mir um die Ecke?!«
Würfel Zwei blinkte.
Würfel Drei: »Ich sehe etwas Grünes?«
Würfel Vier: »War das eine Frage oder eine Feststellung?«
Würfel Fünf und Sechs blinkten.
Würfel Sieben: »Egal was es ist, schicken wir ein paar Helden aus.«
Würfel Eins: »Dafür. Bevor es noch was anstellt.«
Würfel Zwei: »Das hat es schon.«
Würfel Drei: »Ach, wie schön, dass du dich auch mal beteiligst.«
Würfel Vier: »Was hat es angestellt?«
Würfel Fünf: »Unwichtig, ich lasse die Order austeilen, die sollen die Augen offen halten.«
Würfel Sechs blinkte.
Würfel Sieben: »Genau. Für sachdienliche Hinweise geben wir ein paar kleine Heiltränke aus.«
Würfel Eins: »Das ködert doch heutzutage niemanden.«
Würfel Zwei blinkte.
Würfel Drei: »Bis wir Genaueres wissen, reicht das.«
Würfel Vier. »Gut. War es das dann?«
Würfel Fünf: »Das war es.«
Würfel Sechs blinkte.
Würfel Sieben: »Danke für eure Aufmerksamkeit.«
Würfel Eins: »Endlich. Essen.«
Würfel Zwei bis Fünf blinkten.
Würfel Sechs: »Guten Hunger.«
Würfel Sieben blinkte.
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